Konzertkritik : Maximo Park: Grandiose Verschwendung

Wo kauft der Mann bloß seine Energieriegel ein? Sänger Paul Smith absolviert beim Auftritt seiner Band Maximo Park im ausverkauften Kreuzberger Lido mal wieder das Pensum eines Leistungssportlers.

Jörg W,er
Maximo Park
Maximo Park.Foto: promo

Zwar verzichtet der 29-jährige Hutträger diesmal weitgehend auf akrobatische Einlagen, aber dafür legt er in Gestik und Mimik, in Gesang und Zwischenansagen eine derartige Intensität, dass seine vier Mitstreiter dagegen in den Hintergrund treten. Dabei ist Maximo Park alles andere als eine Soloshow. Die Band aus Newcastle genießt bei Fans und Kritikern seit Erscheinen des 2005er Debütalbums „A Certain Trigger“ einen gleichermaßen guten Ruf, obwohl sie weder wie die Libertines eine Bewegung losgetreten haben noch zu Stilikonen wurden wie Franz Ferdinand. Auch zum immensen Erfolg von Kaiser Chiefs oder Arctic Monkeys hat es nicht gereicht, weil selbst ihre eingängigsten Songs so sperrig sind wie ein Rokoko-Möbel: hier noch ein irrer melodischer Schnörkel, dort noch eine sinnlos majestätische Bridge. Die totale Verschwendung, verschenken sie doch zwischen den Refrains von jedem Hit wie „Apply Some Pressure“ oder „Our Velocity“ mindestens zwei potenzielle weitere. Grandios.

Den Auftritt im Lido nutzen Maximo Park, um Songs von ihrem kommenden Album in wohnzimmerhafter Atmosphäre – die Band spielt normalerweise in deutlich größeren Hallen – zu testen. Offenbar haben Maximo Park der Versuchung widerstanden, sich an aktuelle Indiepop-Trends dranzuhängen. Kein Disco-Punk, keine Afrobeat-Gitarren, kein Achtziger-Trash. Stattdessen die akkuraten Akkordritzungen von Duncan Lloyd, präzise Bass-Schlagzeug-Figuren von Archis Tiku und Tom English und Lukas Woollers energisches Georgel. Beim jungfräulichen Hören sind die kommenden Hits höchstens zu erahnen, aber das war bei früheren Stücken auch nicht anders. „The Kids are sick again“ dürfte einer werden, ebenso das sacht beschleunigende „Rollerdisco Dream“ und das hymnische „Calm“, von Smith vorab treffend charakterisiert: „First it‘s very still, then it explodes.“ Das Publikum bejubelt den exklusiven Erstkontakt, aber richtig ins Brodeln kommt der Laden natürlich bei den bekannten Gassenhauern. Mit unwiderstehlicher Dynamik lassen „Books for Boxes“, „The Night I lost my Head“ und die Zugabe „Going missing“ das Lido nochmal überkochen, ehe nach 75 Minuten und freudestrahlenden Dankesbezeugungen von Paul Smith und den Seinen Schluss ist. Immer noch eine der besten Bands Englands.

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