Konzertkritik : Mit Youssou N’Dour auf einer Feuerwolke

Wunderschönen Balladen folgen schnelle Tanznummern: Youssou N’Dour lässt im Berliner Huxleys alle Anwesenden ein bisschen schweben.

Volker Lüke

Laut BBC hat ein Fan aus Mali einen 900 Kilometer langen Fußmarsch nach Dakar zurückgelegt, nur um Youssou N’Dour zu treffen. Der Weg ins Huxleys ist da vergleichsweise bequem, auch wenn draußen alles andere als afrikanische Temperaturen herrschen. Drinnen entführt uns der Musiker aus dem Senegal, der hierzulande vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Peter Gabriel oder Neneh Cherry bekannt wurde, auf einer Wolke von Fernweh nach Dakar.

Ganz in Rot schreitet der 51-jährige Sänger die Bühne ab, begleitet von einer zwölfköpfigen Band mit Keyboards, Schlagzeug, Bass, Gitarren, Sänger, Sängerin und drei Perkussionisten, die mit stark synkopierten Beats der Musik ihre eigene Dynamik verleihen. Special Guest ist Tyrone Downie, der Ex-Keyboarder von Bob Marley, der auch das aktuelle Album „Dakar – Kingston“ produziert hat, mit dem N’Dour der Reggae-Legende seine Verehrung erweist. Zum Abschluss ihrer Welttournee aber brennen die Musiker ein feines Feuerwerk ab. Sie spielen N’Dours größten Hit „7 Seconds“, Klassiker wie „Birimi“, „Set“ und Bob Marleys „Redemption Song“. Wunderschönen Balladen folgen schnelle Tanznummern, hypnotische Grooves zwischen schunkeligem Roots-Reggae und senegalesischem Mbalax, die mit einem Wirbel auf der kleinen Talking Drum Tama eingeläutet werden. Gitarren und Keyboards entwickeln fein gestrickte Melodien, die N’Dours Ausnahmestimme in Wolof, Französisch oder Englisch zu vogelklaren Höhen aufschwingen lassen.

Spätestens nach zwei Stunden bei den entspannten Zugaben stellt sich das Gefühl ein, dass alle Anwesenden vor und auf der Bühne einen Millimeter über dem Boden schweben. Dafür verpasst man gerne die U-Bahn und läuft die paar Kilometer zu Fuß nach Hause.

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