Konzertkritik : Paul Potts: Alles, nur keine Oper

Wie in Erz gegossen steht er da: Bei seinem Auftritt in der Schmeling-Halle schmettert Paul Potts seine Hits und radebrecht ein bisschen auf Deutsch. Die Oper bleibt dabei auf der Strecke.

Udo Badelt
paul potts
Streitbar. Die Geschichte von Paul Potts ist interessant - aber die Stimme? -Foto: ddp

In den Straßen von Prenzlauer Berg herrscht Chaos. Autos von Fans stehen Stoßstange and Stoßstange, aber drinnen in der Max-Schmeling-Halle beginnt Paul Potts pünktlich. Das Buchhalterische wird er auch den ganzen Dienstagabend nicht mehr ablegen. Seine endgültige Pose findet er gleich zu Beginn: Wie in Erz gegossen steht er da, den Körper in einer leicht konkaven Kurve nach außen gebogen, als würde er vor dem Mikro zurückweichen, und radebrecht ein bisschen auf Deutsch zum Publikum, in welch schöner Stadt es leben würde. Nun, dieselben Worte hat er einen Tag zuvor zu den Hamburgern gesagt. In seiner Muttersprache ist er souveräner.

Potts schmettert mit Rehaugen und Doppelkinn quarten- und quintenselige Hits ins weite Rund, die alles sind, nur – sorry – keine Oper. Aus irgendeinem Grund wird Paul Potts oft als Opernsänger bezeichnet, obwohl er mit „Nessun Dorma“ nur eine einzige Arie beherrscht. Dass Oper bedeutet, Stimme und szenisches Spiel in einem Kunstakt zu vereinen, ist an diesem Abend nicht mal annähernd zu spüren. Dafür erzählt er vor jeder Nummer, was sie ihm persönlich bedeutet. Das macht Sinn, denn schließlich ist das Interessante an ihm weder sein Aussehen noch seine Stimme, sondern sein Leben, die Geschichte seines Aufstiegs vom Handyverkäufer zum Star. Paul Potts kann zweifellos auch singen, aber auch nicht besser als Tausende andere. Seine Stimme ist, so deutlich muss man es sagen, eindimensional. Es ist eine Stimme ohne Geheimnis, die immer ganz an der Oberfläche liegt, die nichts weiß von Schmerz oder Glück oder was es heißt, sechs Stunden lang den „Siegfried“ zu singen. Die einzige Charakterfarbe, die diese Stimme kennt, ist das Schmachtende – was so manchem spätestens nach dem dritten Lied gehörig auf die Nerven geht.

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