Konzertkritik : Peaches: Superweib

Sex, Karneval, Rock ’n’ Roll: Peaches trat im ausverkauften Astra auf.

Gerrit Bartels

Wenn schon Mainstream, dann richtig, wenn schon Rock ’n’ Roll, dann mit Schmackes und allem Drum und Dran: Seitdem Berlins berühmteste Kanadierin, die Pop-Künstlerin und Sex-Göttin Peaches, von Großpopstars wie Pink, Madonna oder Iggy Pop gefeiert, hofiert und bewundert wird, seitdem ihre Alben von angesagten Produzententeams überall auf der Welt den letzten Schliff bekommen, kennt sie auch live kein Erbarmen mehr mit den Gepflogenheiten des Undergrounds. So dauert es bei ihrem Berliner Auftritt im ausverkauften Astra keine Viertelstunde, bis sie sich von der Bühne ziehen und rücklings auf den Händen ihrer Fans durch die Reihen tragen lässt; auch signalisiert sie kurz danach mit dem Abwerfen ihres ersten, schwarz-goldgezackten Kostüms, dass diesem Dresswechsel zahlreiche weitere folgen werden und es an diesem Abend um nichts anderes geht als Show, Sex und nochmals Show. Ihre dreiköpfige Begleitband an Schlagzeug, Keybord und Computer hat lediglich dafür zu sorgen, dass alles auch schön laut wird.

Peaches ist Performerin, weniger Musikerin oder gar begnadete Sängerin. Als solche spielt sie ihre Rollen von Vamp bis Discoqueen, von Sexmonster bis hart arbeitende Muckerin, von Limahl bis Kim Wilde – Gott habe sie selig, diese schrecklich schönen achtziger Jahre. Die Dildos, Peitschen und Penisse in Übergröße aber hat Peaches aus dem Programm genommen. Es gibt ja reichlich Ersatz: Mikros, Gitarren und einen dicken Leuchtstab. Zudem trägt sie mal einen wehenden weißen Umhang, auf den Peaches-Porträts projiziert werden. Oder einen rosa-schwarzen, auf dem dann hinten groß „XXX“ für superweiblich steht. Und schließlich leuchtet immer mal wieder ein Lämpchen zwischen ihren Beinen: „Wollt Ihr mehr von mir sehen?“

Das ist ganz klar weibliche Selbstbestimmtheit in provozierender Formvollendung. Das ist dann aber wieder bloß lustiger Karnival, der halt mit all den öden Rock ’n’ Roll-Klischees sein Spielchen treibt. Trotzdem rockt hier natürlich alles enorm, trotzdem sind es gerade die Gassenhauer „Teaches Of Peaches“ und „Lovertits“ sowie der Knaller des neuen Albums, „Talk To Me“, die die begeistertste Reaktion beim ekstasewilligen Publikum auslösen. Und trotzdem sorgt die fiese AC/DC-Gitarre für mehr Jubel als jedes noch so knallige Electro-Gewummer. Auch Rock ’n’ Roll in Anführungszeichen ist eben vor allem eins: Rock ’n’ Roll.

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