Konzertkritik : Peter Frampton im Tempodrom

Peter Frampton, der große Arenen-Star der 70er Jahre, gab in Berlin ein Oldie-Wiederbelebungskonzert in eigener Sache. Nach zwei Stunden gab es eine Überraschung.

H. P. Daniels
Peter Frampton Foto: Gregg Roth
Peter FramptonFoto: Gregg Roth

"Tribute-Shows" nennt man Konzerte, in denen "Revival-Bands" ganze Alben vergangener Bands und Zeiten komplett und werkgetreu Song für Song nachspielen. Abba, Queen, Pink Floyd, Genesis und, und …und jetzt eben auch Peter Frampton.

Nur, dass der große Arenen-Star der 70er Jahre sich seine Tribute-Show hier gleich selbst besorgt. Im bestuhlten, etwas schütter besuchten Tempodrom gibt er ein Oldie-Wiederbelebungskonzert in eigener Sache: "Frampton Comes Alive!" Aufgeführt wird das millionenschwere Doppelalbum von 1976, sein größter Erfolg, und das für lange Zeit meistverkaufte Live-Album überhaupt.

Heute werden sie "Frampton Comes Alive!" in voller Länge spielen, sagt der 61-jährige zum Amerikaner gewordene Engländer mit breitem Grinsen. Ob das den Fans nun gefalle oder nicht. Natürlich gefällt ihnen das. Deswegen sind sie hier. Die alten Sachenwollen sie hören, Note für Note, Ton für Ton, die Hits von damals. Vermutlich haben sie nach "Frampton Comes Alive!" nie wieder etwas gehört von Peter Frampton.

Die alten Sachen bekommen sie dann auch. Das original konservierte Intro-Grummeln von "Frampton Comes Alive!" wie ein herannahendes Erdbeben, das orkanartige Publikumstosen vom Band. Dann eine solide Band mit voller Kraft voraus: "Something's Happening". Klassischer Shuffle-Rock mit Stones-Riffereien.

Das funkende "Doobie Wah" mit Zwillingsgitarren, die an die Brillanz der frühen Allmann Brothers Band erinnern. Framptons beeindruckend kräftige,intonationssichere Stimme, die in ihrem hohen Soul-Pop-Timbre immer wieder an Steve Winwood denken lässt.

Und natürlich die großen Knaller, die alten Gassenhauer mit den eingängigen "Hooklines": "Show Me The Way", mit dem für Frampton typischen, etwas überstrapazierten "TalkBox"-Effekt: Gitarrengeblubber mit Schlauch im Mund.

"Baby I Love Your Way" ist immer noch netter Mainstream-Pop, hart am Kitsch vorbei. Begleitet von "Achja, das war unsere Jugend"-Seufzern aus dem 50-plus-Publikum, während zur Illustration alte Fotos über die Bühnenrückwand flirren: Peter Frampton als ehemaliges Teenager-Idol und Sex-Symbol. Mit langen hellblonden Locken, offenem Dekolletee, offenem Mund und engen Hosen.

Heute, mit weißem Resthaar, wirkt er erwachsener, gediegener, bodenständiger, aber auch ein bisschen hölzerner, die Musik ein wenig altbacken. Zwischendrin durchwandert er mit seiner Gitarre virtuoses Ödland.

"Do You Feel Like We Do?" Nach zwei Stunden ist erstmal Schluss, doch dann kommt noch die Überraschung: eine ganze Stunde Zugaben mit neueren Songs der letzten Alben "Thank You Mr. Churchill" (2010) und "Fingerprints", der Grammy gekrönten Instrumentalplatte von 2006.

Hat Peter Frampton erst einmal losgelassen vom Ballast der Vergangenheit, kann er plötzlich ganz locker und inspiriert aufspielen. Interessant und einfallsreich.

Im sirrend bluesig jazzigen Instrumental "Float" kreuzt er elegant seine Gibson Les Paul mit der Fender Stratocaster seines feinen Seiten-Gitarristen Adam Lester, sowie die Sounds von Peter Green, David Gilmour und Gary Moore.

Das gitarrenfunkige "Boot It Up" wird getragen vom grollenden Hammond-B3 Sound des Keyboarders Rob Arthur. Drei LesPauls rocken parallel zu einer feinen Instrumentalversion von Soundgardens "Black Hole Sun". Mit kräftigen klassischen Macho-Rock-Riff-Gematsche von "Four Day Creep" lässt Frampton noch einmal seine Vergangenheit als Gitarrist von "Humble Pie" aufblitzen, dieer 1971 verlassen hatte. Und mit einer feinen Version von George Harrisons "While My Guitar Gently Weeps" setzen er und seine solide Band nach drei Stunden einen krönenden Schlusspunkt.

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