Konzertkritik : Social Distortion: Peng Peng Peng

Punks, Rockabillys, Psychobillys, Heavy-Metal-Freaks und Alt-Rocker strömen auf die Zitadelle. Die unterschiedlichsten Szenen werden von Social Distortion mobilisiert.

H.P. Daniels

Der gemeinsame Nenner heißt schwarze Klamotten, Tattoos und "Underground Rock 'n' Roll". Der wird ihnen von der kalifornischen Band auch gleich heftig eingehämmert. Mit scharfen Gitarrenriffs und athletischen Luftsprüngen. Lederne Songs vom harten Leben in die Menge geballert, umgewandelt zu schierer Energie. Peng.Peng.Peng. "The Creeps", "Another State Of Mind", "Mommy's Little Monsters", "Sick Boys". Sauber hintereinander weggeknallt, ein kleiner Querschnitt aus den Achtzigern, wo die Band diverse Male umbesetzt wurde, und der Sänger und Gitarrist Mike Ness wegen seiner damaligen Heroinsucht immer wieder Zeiten in Gefängnissen und Entzugskliniken absitzen musste. Heute steht er da wie eine Eins, breitbeinig rocknrollerig, mit seiner Gibson Les Paul. Der Einzige, der noch dabei ist von der ursprünglichen Band, die er 1979 als Siebzehnjähriger in Orange County gegründet hatte. "Hello everybody", sagt er, "it's a bit early for a rock 'n' roll show."

Rocker scheuen das Tageslicht, aber über der Zitadelle steht noch die Abendsonne am blauen Himmel. Zu hell für Rock 'n' Roll. "Don't drag me down, motherfucker!" Und schon nageln sie die nächste Runde Songs in die wabernde Menge, wirbeln über die Bühne. Jonny Wickersham mit dem peitschenden Rhythmus seiner weinroten Les-Paul-Junior, Brent Harding mit rasant aus dem Bass geballerten Achteln und Adam Willard, trefflich treibender Trommler. Social D sind eine kompakte Band mit erstklassigem Sound, immer exakt auf dem Beat, präzise auf der Note, auf dem Vorzieher, auf dem Abschlag. Mit dieser attraktiven Mischung aus Hochspannungsenergie und betörenden Melodien unter dem Einfluss von Ramones, Clash, Johnny Thunders, Stones, Chuck Berry, Johnny Cash und Hank Williams. Begeistert werfen die Fans ihre vollen Bierbecher in die Luft, Dusche für die Massen, singen hymnische Oh-ho-ho-Chöre. Nach anderthalb Stunden ist es immer noch hell, und man fragt sich, ob es am unrockigen Ambiente liegt, dass am Ende der Eindruck entsteht, irgendwas habe da doch gefehlt zum letzten Kick.

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