Konzertkritik : Susan James & Paul Lacques im art.gerecht

Susan James & Paul Lacques spielen im art.gerecht vor allem Folk- und Countrysongs. Es ist wie bei jemand daheim im Wohnzimmer und musikalisch durchaus eine Entdeckung.

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Susan James machte eine lange Pause. Als Musikerin fängt sie jetzt wieder da an, wo sie einst aufgehört hat. Foto: promo
Susan James machte eine lange Pause. Als Musikerin fängt sie jetzt wieder da an, wo sie einst aufgehört hat.Foto: promo

"Airstream Girl blowing down the avenue, she's leaving like a dust devil wind, head held high, home is where she lands, and where she lands, she'll never run out of friends, there she goes…" Da steht sie: die amerikanische Singer/Songwriterin Susan James, wie zufällig gelandet auf der Bühne des Friedrichshainer Galerie-Cafés art.gerecht, in einer Umgebung wie bei jemand daheim im Wohnzimmer. Neue Freunde wird sie auch schnell gewinnen: aufmerksam zugewandte Zuhörer.

Da steht sie mit langen blonden Haaren, rotkarierter Bluse, Jeans, Cowboystiefel, Martin-Akustikgitarre und singt mit betörender Stimme vom "Airstream Girl". Und da steht Paul Lacques mit langen blonden Haaren, schwarzem Hut, Cowboysamstagabendausgehhemd, Fender Telecaster und spielt mit toller Picking-Technik traumhafte Country-Licks. Locker mit Links. Auf einer Linkshändergitarre und Lapsteel. Das Volumen dosiert er mit dem rechten Fuß. Gasgeben und Bremsen, immer angepasst an Songs und Stimmung.

Die meisten Songs des Abends stammen von Susan James' brandneuem Album mit dem sprechenden Titel "Highways, Ghosts, Hearts & Home" (Taxim), einer gelungenen Sammlung von Folk- und Countrysongs über flatterige Mädchen, gespenstische Begebenheiten, Abschiede, neues Zuhause im Topanga Canyon, aussichtslose Liebschaften, neue Hoffnungen. Wobei die poetischen Alltagsgeschichten gelegentlich vage musikalische Erinnerungen an Susan Cowsill, Continental Drifters und manchmal auch die Bangles durchwehen. Und wenn Susans angenehm natürliche Stimme in höhere Lagen springt, findet man dort auch ein paar leichte Spuren von Joni Mitchell. Sowie ein dezentes Tremolo, das nie gekünstelt oder gar operettenhaft wirkt.

Dies ist bereits Susans James' viertes Album, allerdings hat sie nach dem dritten eine Pause von 12 Jahren eingelegt, während der sie aus den USA zu ihrem Mann nach England umgezogen ist, eine Tochter großgezogen hat und schließlich mit ihrer Familie wieder nach Kalifornien zurückgegangen ist. , wo sie damals aufgehört hat, also fast von vorne, erzählt sie, muss sich alles neu aufbauen: Kontakte, Konzerte, Käufer, Fans. Und deswegen ist sie jetzt hier gelandet.

Auf dem 5-String-Banjo plickert sie ihren "Old Jug Song" im Stil eines alten appalachischen Folkballade. Um gleich wieder zur Gitarre zu wechseln und zum luftigen Westcoast-Sound von "Going To California". Paul Lacques spielt dazu feines Dingeldängel und exquisite "Double Stops", die in ihrer Melodik ein wenig an Clarence White erinnern und die Byrds und "Eight Miles High". Kaum hat man diesen Gedanken zuende gedacht, spielt Susan James "Eight Miles High" von den Byrds. Ganz alleine diesmal, nur sie mit ihrer Gitarre in Open Tuning. Eine berauschende Version mit einem umwerfenden Gitarrenarrangement, ausgedehnten Instrumentalpassagen mit exquisitem Fingerpicking, Saiten-Tapping und klirrend schwirrenden Hammer Ons und Pull Offs.

Das habe sie gelernt, sagt sie, als sie allein mit ihrer Stimme und Gitarre in den Vorprogrammen von illustren Leuten wie Richard Thompson, Bob Weir, Daniel Lanois, Rufus Wainwright und unzähligen anderen auf sich aufmerksam machen musste mit irgendetwas Besonderem. Susan James und Paul Lacques, sowie ihr neues Album sind eine echte Entdeckung.

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