Konzertkritik : The Killers: Euphorie ohne Bart

Brandon Flowers und The Killers wissen was sie den Fans schulden - und zeigen es beim Auftritt im Kesselhaus.

Jörg W,er
BRITAIN-ENT-MUSIC-AWARDS
The Killers.Foto: AFP

Was AC/DC können, schaffen die Killers auch, bloß in etwas kleinerem Rahmen. Der Kartenverkauf für das „exklusive Klubkonzert“ im Kesselhaus, Monate vor der offiziellen Tournee durch deutlich größere Hallen, musste schon nach wenigen Minuten wieder eingestellt werden. Es sind hauptsächlich treue Fans gekommen, entsprechend euphorisch fällt schon die Begrüßung für das Quartett aus Las Vegas aus.

Brandon Flowers hat sich von seinem Softmacho-Look mit Schnurrbart wieder getrennt. Besser so: Frisch rasiert und mit federbesetzten Schulterklappen auf dem Jackett hat der spargeldünne Sänger genau die nötige Dosis an sexuell ambivalenter Ausstrahlung, um den deutlich testosteronlastigeren Rest der Band auszubalancieren. Denn eigentlich wirkt Flowers wie ein Fremdkörper: Mit 27 Jahren ist er nicht nur der jüngste im Bunde, er sieht auch aus, als würde er aus einer ganz anderen Sozialisationsschiene kommen. Bei den anderen drei könnte man sich vorstellen, wie sie früher zusammengehockt und Indierock gehört haben – und dann kam immer dieser Typ mit seinen Pet-Shop-Boys-Maxis an.

Nerd und Frontmann

Jetzt tigert Flowers wie aufgezogen über die Bühne, legt sich auf interessante Weise nicht fest zwischen scheuer Nerd-Attitüde und der selbstbewussten Extrovertiertheit des Frontmanns einer Band, die über zehn Millionen Platten verkauft hat. Gitarrist Dave Keuning scheint unbeirrbar an seinem Brian-May-Komplex festzuhalten: Er hat den Queen-Gitarrist nicht nur in Sachen lockiger Haarpracht zum Vorbild erkoren, sondern bedient sein beeindruckendes Arsenal an Gitarrentypen und Effektgeräten auch mit vergleichbar eitlem Gepose.

Dabei sind die meisten Songs der Killers strukturell gar keine Gitarrenrocker, sondern eher an New Order geschulte Club-Pop-Stampfer mit grandiosen Melodiebögen und stadiontauglichen Refrains. Die Stücke der in Kürze erscheinenden dritten Platte suchen noch konsequenter den Weg auf die Tanzfläche. Manchmal mischt sich ein sonniger Seventies-Westcoast-Groove darunter, der prima zur Bühnendeko mit Plastikpalmen passt.

Aber die Killers wissen, was sie ihren Fans schulden: Hits. Von den frühen Hymnen „Somebody told me“ und „Mr. Brightside“ bis zu den muskulöseren, nah am Bombast gebauten Hits des zweiten Albums mit dem grandiosen „When you were young“ als Zugabe spannen sie einen 75-minütigen Bogen, der eine tanzende, wogende, mitsingende Masse begeistert zurück lässt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar