Konzertkritik : The Streets: Untergang eines Weltwahrheitenverkünders

Ich will meine Aufregung zurück: The Streets in Berlin - leider enttäuschend.

Ariane Bemmer

Dies steht geschrieben: Dass Mike Skinner sein erstes Album Ende der 90er Jahre im Badezimmer der elterlichen Wohnung aufnahm, mit einer Bettdecke über dem Kopf. Die Platte kam raus, und England war begeistert. 18 Jahre später sagt Mike Skinner, alias The Streets, dann, dass er die Aufregung zurückwolle, die man anfangs für ihn empfunden hatte.

Bei dem Berliner Konzert am Montagabend im Huxley's könnte man meinen, der erste Schritt dazu sei getan: Der Bettdeckensound war wieder da, dumpf und dunkel dröhnten Musik und Gesang von der Bühne auf das ziemlich junge Publikum herab, das wippte und die Arme schwenkte, und sich gut zu amüsieren schien. Aber worüber eigentlich? Die Texte hat man in  der überlauten, zwerchfellbelastungsaustestenden Klangsoße kaum verstanden, macht ja nichts, Fans kennen die in Ansätzen auswendig, aber leider ging auch Skinners Stimme als solche, diese unfassbar junge, dünne, weiße Weltwahrheitenverkünderstimme unter.

Geld weg, Zuschauer weg

„Everything is borrowed“, Titelsong des neuesten, vierten Albums, war der Auftakt, danach krachte nicht selten ein Beat direkt in den nächsten, übergangslos ging es durchs Repertoire, das war verwirrend, Skinners scooterhafte „Can you see me?“-Publikumsanimationen ebenso, ganz zu schweigen von der öden Lichtshow mit Diawechslerbildereihe auf Hintergrundleinwand, oder was immer das war. Ein bisschen Unprofessionalität ist ja gut, das wirkt dann echt, aber man kann das natürlich auch übertreiben, dann wirkt es nur noch hingeluscht. Nein, natürlich muss man nicht mit 27 Trucks Technik mit auf Tour nehmen. Aber vielleicht sollte man ohne das alles auch von Ticketpreisen von rund 30 Euro Abstand halten. Die sind schließlich nicht nur geliehen. Die sind dann weg. Ebenso wie die Gäste. Nach dem ersten „Good Night“ eilten schon viele zur Garderobe, die Zugabe, die sich dann doch hinzog, haben sie nicht mehr mit angehört.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben