Konzertkritik : Unbunny: Wunderlich schöne Song-Poesie

Der amerikanische Singer/Songwriter Jarid del Deo alias Bunny ist einer scheuer Mensch. Am liebsten würde er wohl im Dunkeln singen. Doch Jan Schewe, von Beruf ein Mann-Plattenlabel, hat ihn ins Scheinwerferlicht des Deutschen Theaters gestellt. Glücklicherweise.

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Unbunny ist der kuriose Name, unter dem der amerikanische Singer/Songwriter Jarid del Deo seit 1995 seine Songs veröffentlicht: sympathisches Understatement in "Low-Fi" und wirklich "independant" - bei ständig wechselnden Mini-Labels und ständig wechselnden Wohnorten in den USA, einem unsteten Leben, mal hier mal dort. Gebeutelt von diversen Schicksalsschlägen - Geldsorgen, schwerer Liebeskummer, Trennungsschmerz, Gefängnis und wieder raus, erneut unterwegs im Ungewissen - hat er ganze sechs Jahre nichts Neues mehr veröffentlicht, ist nicht mehr aufgetreten, hat als Putzmann gearbeitet in Seattle und besaß nach seinem letzten Umzug nach Florida nicht einmal mehr eine Gitarre. Überhaupt: Florida - zu viel Sonne vielleicht, er weiß nicht, ob er bleibt.

Jetzt steht er mit Schlotterhose im Deutschen Theater

Jetzt steht er mit blauer Wollmütze, schwarzer Brille, Schlotterhose, Turnschuhen und einer Yamaha Akustikgitarre auf der kleinen Bühne in der Bar des Deutschen Theaters. Und ein erstaunlich stilles, aufmerksames Publikum folgt ihm fasziniert in seine wunderlich schöne Song-Poesie. Jan Schewe vom Hamburger Ein-Mann-Label mit dem bezeichnenden Namen "Affairs Of The Heart", der trotz aller Widrigkeiten immer von Unbunny/del Deo und seinen künstlerischen Qualitäten überzeugt war, hat vor zwei Jahren das schon 2004 in den USA erschienene Album "Snow Tyres" erstmalig in Europa veröffentlicht. Zum Erscheinen der hörenswerten neuen Platte "Moon Food", hat Schewe seinen Schützling nun für eine ausgedehnte Tour nach Europa geholt. Neue Chance, neues Glück.

Da allerdings Reisekosten und Gagen für eine komplette Band aus den USA den Etat überschritten hätten, besorgte Schewe auch gleich noch zwei alte Freunde aus Hessen als Begleiter: Zac Johnson spielt Bass und E-Piano, Bastian Oberfeld Schlagzeug, während Schewe höchstpersönlich zur elektrischen Gretsch Gitarre greift. Eine echte Herzensangelegenheit, wie man sehen und hören kann.

Junge Männer sind leichte Beute

Gemeinsam haben sie einen exquisit kompakten Sound und offensichtlich großes Vergnügen an der gemeinsamen Sache mit del Deo und seinen betörenden Songs, seinen wahnwitzigen Geschichten über die tragischen Aspekte des Lebens, seinem feinen Humor und seinen einfachen und ergreifenden Melodien, durchzogen von Anleihen und Zitaten aus dem unerschöpflichen Fundus der Pop-Geschichte. "Young Men Are Easy Prey"
beginnt mit den Uuh-huuh-huuhs von Dylans "Knocking On Heavens Door", bevor es in eine sanfte Neil-Young-Melodie übergeht.

Auch die Stimme del Deos hat in der Färbung eine gewisse Ähnlichkeit mit der von Neil Young, ohne allerdings je nach platter Kopie zu klingen. Oder es schimmern mal ein wenig die Beatles durch ein Lied, John Lennon oder die Akkordfolge von Dylans "All Along The Watchtower". Ein Melodiefetzen von Mercury Rev. Oder die Schwermut von Elliott Smith.

Selbstmord ist das erste Wort

"This is a love song", sagt der Unbunny-Mann, bevor zu singen beginnt: "Suicide" ist das erste Wort. In der letzten Strophe heißt es: "I am alive!" Niedergeschlagenheit und Lebendigkeit, das sind die beiden Pole, zwischen denen sich die Welt von Unbunny dreht. Zwischen melancholische Balladen kracht plötzlich ein treibender Riffrocker. Und dann singt del Deo hinreißend ein paar Songs ganz alleine ohne Band. Schöne Abwechselung.

Er hält sich den Arm vor die Augen: wenn doch der Scheinwerfer nur nicht so blenden würde. Er steht nicht gerne im Licht. Am liebsten würde er wohl im Dunkeln singen. Wenn er auch manchmal mitreißend lacht, scheint er doch eher ein stiller und scheuer Mensch zu sein. Und am Ende kann er es gar nicht so richtig fassen, dass ihn das Publikum derart begeistert feiert. Doch er hat es sich verdient. Wie er es allerdings auch verdient hätte, dass noch viel mehr Leute auf ihn aufmerksam werden.

Am 29. Mai spielt Unbunny das letzte Deutschlandkonzert seiner Tour in Köln.

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