Konzertkritik : Wreckless Eric & Amy Rigby im Crystal

Der Sound ist laut, grob, rumpelig und schön. Die Haltung ist witzig, selbstironisch und leidenschaftlich. Eric Goulden und Amy Rigby begeistern ihre Fans im Crystal.

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Amy Rigby und Eric Goulden.
Amy Rigby und Eric Goulden.Foto: promo

Ein bisschen gezaust sehen sie aus, Eric Goulden und Amy Rigby, wie sie da auf der Bühne des kleinen Crystal Clubs stehen. Als wären sie gerade aus dem Auto gestiegen, erschöpft von einer weiteren dieser ewig langen Fahrten zwischen den Auftrittsorten, den kleinen Clubs. "Ist der Laden neu?" Hier waren sie noch nie. "Interessant, immer mal was Neues … und irgendwie schöner als die meisten Schuppen woanders…" Ach ja, sie könnten da einige Geschichten erzählen. Von der ewigen Rumtourerei. Vom Leben "on the road". Das tun sie dann auch im Laufe des Abends, erzählen, was ihnen so einfällt, über die Läden und das Publikum, und wie fürchterlich das manchmal sein kann. Und sie lachen darüber und amüsieren sich köstlich.

Ganz eng stehen sie zusammen, das Ehepaar Goulden-Rigby: Die amerikanische Singer/Songwriterin Amy Rigby, deren erstes Soloalben 1996 unter dem schönen Titel "Diary Of A Mod Housewife" erschien. Und der Engländer Eric Goulden, der in der Punk- und New-Wave-Ära der 70er Jahre Furore machte als "Wreckless" Eric auf dem legendären Londoner Stiff-Label, und der sich 1993 per Albumtitel als "The Donovan Of Trash" selbst auf die Schippe nahm.

Amy dengelt auf einer 12-saitigen Danelectro-Gitarre und Eric grummelt auf einem alten Fender Mustang-Bass, und gemeinsam singen sie wie abgedrehte Everly Brothers: "Put A Little Love In Your Heart". Da ist eine Menge Liebe in ihren Herzen. Füreinander, für ihre Fans und für die Musik. Der Sound ist laut, grob, rumpelig und schön. Die Haltung ist witzig, selbstironisch und leidenschaftlich.

"Some days are diamonds / Some days are rocks / Some doors are open / Some roads are blocked" singt Eric mit rührend näseliger Stimme und starkem Cockney-Akzent. Dem Song "Walls" des Amerikaners Tom Petty verleiht er damit einen charmanten neuen Dreh. Er gehört zu einer Reihe sehr unterschiedlicher Lieblingssongs, die Eric und Amy auf ihre eigene wunderbare Art interpretieren auf ihrem neuen Album "Two-Way Family Favourites". Ach ja Familie, Eric ist übrigens vor kurzem Großvater geworden, sagt Amy und kichert los.

Eric, heute ganz in Braun - braunes T-Shirt, braunes Oberhemd, braune Hose, braune Freizeitschuhe - hängt sich die weinrote Guild-Starfire-Gitarre um, während Amy sich an die Orgel setzt: "Another Drive-In Saturday" vom Album "Wreckless Eric & Amy Rigby" aus dem Jahr.

Eric tippt auf den Laptop zu seiner Linken. Es macht unk-tscha-tscha-unk-tscha-tscha. Auch wenn man solche seelenlosen Rhythmusmaschinen nicht unbedingt mag, wird man sofort überzeugt von der warmen darüber gelegten Harmonik beseelter Instrumente und Stimmen und dem zauberhaften 60er-Jahre-Beat-Band Feeling von "Please Be Nice To Her".

Amy singt ein paar ihrer älteren Songs aus der Zeit vor Eric: "The Trouble With Jeanie" und das melancholische "Don't Ever Change" mit einem umwerfend bittersüßen Text über eine unspektakulär zerbröckelte Familie und dem damit verbundenem Schmerz.

Eric singt ein paar Songs aus der Zeit vor Amy, aus seinen wilden Jahren: "Reconnez Cherie" und natürlich seinen großen Hit von 1977 "Whole Wide World". In "Teflon Wok", der neuen Single von Eric & Amy, tritt er dann wieder sämtliche Effektpedale durch bis zum Anschlag, wildes Geschraube, toller Lärm.

Wie ein grobkörnig realistischer Film über die raueren Seiten des Lebens in London wirkt "Kilburn Lane". Eric pfeffert dazu elektrisierende Stones-Riffs in die rote Stromgitarre, mit der er schwer ekstatisch über die kleine Bühne rockt. Aber das sind keine abgedroschenen, künstlichen Rockstarposen, sondern hier spürt, sieht und hört man deutlich die echte Leidenschaft. Die gleichzeitig auch immer mit einer gewissen ironischen Distanz daherkommt.

Mit wüstem Feedbackpfeifen endet nach zwei Stunden ein tolles Konzert eines außerordentlichen Duos. Als Zugabe schnell noch "I Still Miss Someone" von Johnny Cash. Und dann müssen sie auch schon wieder ins Auto. Nächste Station: Mannheim.

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