Konzertkritik : Yeah Yeah Yeahs: Konfetti und Selbstzitate

Der Schlagzeuger nimmt ab, die Band legt zu - und das alles geht auf Kosten der Energie: Die Yeah Yeah Yeahs und ihr Auftritt in der Columbiahalle.

Nadine Lange

Brian Chase ist kürzlich Vegetarier geworden. Auf der Band-Website schwärmt der Schlagzeuger der Yeah Yeah Yeahs wie gut er sich seither fühlt. Man sieht es ihm auch an: Er hat ein paar Kilo abgespeckt. Einige Pfunde zugelegt hat hingegen der Sound des Trios aus New York und Los Angeles. Statt ungeschliffenem Garagenrock  machen die Yeah Yeah Yeahs auf ihrem neuesten Album „It`s Blitz“ schlauen Mainstream-Rock für Erwachsene. Darin haben auch Bass und Synthesizer einen festen Platz erobert, weshalb ein vierter Musiker mit ihnen auf der Bühne der nicht ganz ausverkauften Columbiahalle steht. Aufwändiger sind auch die Kostüme von Sängerin Karen O und die Dekoration - es gibt sogar Konfettikanonen.

Leider geht das alles auf Kosten der entfesselten Energie, die die Konzerte früher zu einer hurricanartigen Erfahrung machten. Wenn Karen O nun ins Mikro-Kabel beißt, ist das nur noch ein Zitat ihrer wilden Fesselspiele vergangener Tage. „Take our hands out of control“ singt sie in „Gold Lion“ - und genau das Gegenteil passiert: Extrem kontrolliert und perfekt spielen sie diesen balladesken Song vom zweiten Album „Show Your Bones“, das ihre Hinwendung zu komplexeren Kompositionen einläutete. Als wollten sie das Publikum nicht überfordern, biegen sie anschließend mit „Miles Away“ in die Vergagenheit ab - eine schnelle Mithüpfnummer, die sie durch einen gekonnten Bremseffekt direkt in das neue Synthie-Stück „Skeletons“ überführen.

Ein Spannungbogen kann so allerdings nicht entstehen. Stattdessen setzt die Band auf eine Dramaturgie der kurzen Amplituden, was ein bisschen schade ist, denn dadurch verschleudert sie ihre vielen Hits. Waren früher die Konzerte der Yeah Yeah Yeahs besser als die Alben, scheint es nun genau umgekehrt zu sein.

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