Konzertvorschau : Alicia Keys: Der Traum von Chopin

Die Soul-Lady Alicia Keys liebt Ausflüge in die Klassik und zu Rappern wie Jay-Z. Im Rahmen ihrer „The Freedom“-Tour kommt die New Yorkerin am Freitag in die O2-World.

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Living next door to Alice. Schon mehrfach war Alicia Keys in Berlin. Bei ihrem ersten Besuch vor acht Jahren durfte sie sich sogar einen Echo mit nach Hause nehmen.
Living next door to Alice. Schon mehrfach war Alicia Keys in Berlin. Bei ihrem ersten Besuch vor acht Jahren durfte sie sich sogar...Foto: AFP

Alicia Keys wollte immer schon hoch hinaus, doch von einem solchen Auftritt hätte sie zu Beginn ihrer Karriere wohl kaum zu träumen gewagt. Am Wochenende gab die Sängerin ein Konzert in 2300 Metern Höhe – ihr Klavier musste per Pistenbully auf die Bühne in den Alpen transportiert werden. Im österreichischen Ischgl trat Keys bei der „Top of the Mountain“-Show auf, der traditionellen Abschlussveranstaltung der Wintersaison. 15 000 Zuschauer waren gekommen, um die amerikanische Soul-Lady live zu erleben. Dass sie ihren knapp anderthalbstündigen Auftritt überhaupt durchstehen konnte, hatte sie Unmengen von Bergquellwasser zu verdanken. Die trank sie vorsorglich, um ihre Stimmbänder auf den Einsatz in der dünnen Luft vorzubereiten. Hinterher lobte Keys das Ganze als „eine wunderschöne Erfahrung“.

Ein Alpenpanorama hat Berlin zwar nicht zu bieten, trotzdem darf man annehmen, dass Alicia Keys gerne hier auftritt. Am Freitag kommt sie im Rahmen ihrer aktuellen „The Freedom“-Tour in die O2-World, auch zuvor war sie regelmäßig zu Gast in der Stadt. Vor acht Jahren zum Beispiel, ihr Debütalbum „Songs in a Minor“ war kurz zuvor erschienen, nahm sie einen Echo als beste Newcomerin entgegen – die silberne Trophäe konnte sie daheim in New York zu den fünf Grammys stellen, die sie kurz zuvor erhalten hatte. Im Tempodrom lieferte sie im Herbst 2002 ein zweistündiges Soulkabarett, beim Museumsinsel-Festival 2004 trat sie trotz kühler Temperaturen unter freiem Himmel auf, 2008 kam sie erneut zum Echo und wenig später zur Aufzeichnung von „Wetten, dass...?“, wo sie ihren Hit „No One“ sang. Das Berliner Publikum bezeugte ihr jedes Mal seine Zuneigung, indem es zu Tausenden kam.

Entdeckt wurde Alicia Keys Ende der neunziger Jahre von Clive Davis, der Stars wie Bruce Springsteen, Aretha Franklin, Whitney Houston und Pink Floyd den Weg geebnet hatte. Er gilt laut „Focus“ als das „Trüffelschwein der Branche“, nahm Keys für sein neues Label „J Records“ unter Vertrag und verschaffte ihr zu Beginn ihrer Karriere Auftritte vor dem Kongress in Washington und in der TV-Show von Talkmasterin Oprah Winfrey. Der Rest lief wie von selbst. Die erste Single „Fallin’“ stürmte die internationalen Charts ebenso wie das dazugehörige Debütalbum. Alicia Keys wurde zum neuen Superstar des soeben gestarteten Jahrtausends, unter anderem auch deshalb, weil Kolleginnen wie Mariah Carey und Whitney Houston zu der Zeit wegen privater Probleme ins Straucheln geraten waren. Davis habe ihr eine Chance gegeben, die sie sonst nie bekommen hätte, sagt Keys. Er hatte erkannt, dass dieses junge Mädchen nicht bloß eine talentierte Sängerin ist, sondern eine ernsthafte Musikerin: Immerhin behauptet Keys, mit 16 von Frederic Chopin geträumt zu haben und nicht von Puff Daddy.

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die mittlerweile 29-Jährige auch heute noch mühelos. Auf ihren Konzerten unternimmt sie immer wieder Ausflüge in die Klassik, denen ihr Publikum ebenso andächtig lauscht wie ihren Auftritten mit Rappern wie Eve oder Jay-Z, mit dem sie ihrer Heimatstadt New York die Liebeserklärung „Empire State of Mind“ schrieb.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Alicia Keys ihr viertes Album, „The Element of Freedom“. Die Zahl ihrer Grammys ist mittlerweile auf zwölf gestiegen, es gibt kaum eine Auszeichnung, die sie noch nicht erhalten hat. Nur auf einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde wird sie nach ihrem Auftritt in Ischgl nicht hoffen dürfen: Das bislang höchste Konzert der Welt fand 2007 in den Anden statt, in 6069 Metern Höhe.

Freitag, 20 Uhr, O2-World, Karten ab 50 Euro.

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