Konzertvorschau : Bosse: Luftballons über der Leipziger Straße

Bosse, Großstadtromantiker, spielt am Donnerstag im Postbahnhof. Zu Berlin hat der Musiker eine besondere Beziehung.

Nana Heymann

Wenn jemand es schafft, einer viel befahrenen Berliner Hauptverkehrsstraße etwas Romantisches abzugewinnen, dann muss das ein wahrer Künstler sein. Musiker Axel Bosse ist so einer. Im Video zu seiner neuen Single „3 Millionen“ lässt er die Schauspielerin Laura Tonke mit Dutzenden Luftballons über die Leipziger Straße laufen, auf der Suche nach der Liebe, nach einer verwandten Seele. Sie wirkt dabei verloren und bezaubernd zugleich. Dazu singt Bosse: „In deiner Stadt leben über drei Million’, und du bist heute Nacht unterwegs, um zu sehen ob unter diesen drei Million’ jemand ist, der dich versteht.“

Es ist nicht das erste Lied, das der Musiker der Hauptstadt widmet. Bereits das Video zur Debütsingle „Kraft“ drehte der gebürtige Braunschweiger hier. Dafür rannte er durch die Straßen Berlins, gerade erst aus dem Bett gefallen, in der Hand einen Kaffeebecher. Zu der Stadt hat Axel Bosse, 29, eine besondere Beziehung, nicht nur weil sie eine gute Kulisse für seine Clips liefert. Eine Zeit lang lebte er hier, und hier begann vor vier Jahren auch seine Musikkarriere. Sein Auftritt mit dem neuen Album „Taxi“ am Donnerstag im Postbahnhof ist also ein Heimspiel. Auch seine erste Unplugged-Show spielte er letztes Jahr hier.

Gitarre, Schlagzeug, Bass, ein paar motivierte Jungs und Ersparnisse – mehr brauchte Axel Bosse nicht, um seine Band zu gründen und in Eigenregie eine CD aufzunehmen. 2005 erschien sein Debüt „Kamikazeherz“, wenig später durfte er mit Such A Surge auf Tour gehen. Von da an lief alles Weitere wie von selbst.

Knapp zweieinhalb Jahre Zeit hat sich der Sänger für das neue Album gelassen. Produziert hat er es mit Jochen Naaf, der auch schon für Polarkreis 18 und Peter Licht gearbeitet hat. Das Ergebnis: Die Rockpower hat Bosse ein wenig runtergefahren, dafür lässt er nun auch mal Piano, Akustikgitarre und Streicher erklingen. Insgesamt ist die CD wesentlich ruhiger und gelassener als noch der Vorgänger „Guten Morgen Spinner“.

Vom Gestus des wilden Rockers verabschiedet sich der Musiker allmählich. Den kann er sich im Privatleben ohnehin nicht erlauben. Bosse ist Vater einer kleinen Tochter und pendelt zwischen Hamburg, wo er mittlerweile lebt, und der Türkei, der Heimat seiner Frau. Heute versteht er sich als „Mutmacher mit Grundsehnsucht“. Er wolle Mut machen, ohne dabei Animateur zu sein, sagt er. Erwachsenwerden nennt man das wohl. Den Blick für das Romantische im Alltäglichen hat Axel Bosse trotzdem nicht verloren.

Postbahnhof, Donnerstag 20 Uhr, 14,40 Euro

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