Konzertvorschau : Deichkind: Klamauk von der Küste

Deichkind feiern, bis die Bühne kracht. Ihre Parole: Krawall und Remmidemmi. Am Donnerstag spielt die Truppe in der Columbiahalle.

Ric Graf
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Yippi, Yippi, Yeah. Deichkind nehmen sich auch auf der Bühne selten ernst.Foto: dpa

Wenn Deichkind auf die Bühne treten, ist keiner mehr sicher: Für ihre Auftritte verwenden die Jungs aus Hamburg schon mal eine Mega-Zitze, die meterweit Bier ins Publikum schleudert. Oder sie fordern ihr Publikum auf, verteilte Dosen nach einem Countdown geschüttelt zu öffnen – für eine große Fontäne.

Genau das ist Deichkind. Die fünf Jungs sind schon eine ganze Weile im Musikgeschäft: Ende der 90er gehörten sie zu Hamburgs Hip-Hop-Szene und wurden durch Hits wie „Bon Voyage“ deutschlandweit bekannt. „Aber für uns ist Hip-Hop nicht mehr interessant“, sagt DJ Phono bei einem Gespräch am Schlesischen Tor, wo es prompt ein Glas Champagner gibt.

Deichkind spielen mittlerweile einen Mix aus Elektro, Pop und Rap. „Für uns war die Veränderung vor Jahren sehr wichtig, weil wir gemerkt haben, dass wir mit dieser Szene von Rappern nicht mehr viel gemeinsam haben.“ Und sie haben eine ähnliche Entwicklung durchgemacht wie Fettes Brot und die Fantastischen Vier, die auch von ihrem klassischen Hip-Hop eher zu Pop übergangen sind. Deichkind gilt heute als die deutsche Party-Band, die Konzerte auf Mallorca nicht als ihre Haupteinnahmequelle angibt. In den Berlinern Clubs laufen ihre Songs wie „Remmidemmi“ und die aktuelle Single „Arbeit nervt“ hoch und runter, sie gelten als eine der besten Livebands. „Für uns sind die Auftritte ein großer Spaß, denn wir feiern schließlich auf der Bühne. Aber uns macht manchmal echt Angst, wie die Leute abgehen“, sagt Phono. In diesem Sommer ging auf ihrer Festivaltour beispielsweise eine Bühne zu Bruch, nachdem die Band die ersten Reihe aufgefordert hatte, mit oben zu tanzen.

Das neue Album, mit dem sie jetzt auf Tour sind, kommt gut an. In „Hört ihr die Signale“ geht es ums exzessive Trinken, und auch im Titelsong kommen diverse alkoholische Getränke vor. „Wir wissen, dass wir als Saufband gelten, aber für uns ist unsere Kritik an den Verhältnissen zwischen den Zeilen viel entscheidender. Saufen als Negierung der Verhältnisse sozusagen“, sagt DJ Phono und nippt an seinem Champagner. In ihrer Kritik geht es vor allem um die Leistungsgesellschaft: „Wo bleibt die Inspiration, der Mehrwert für einen selbst“, sagt Bassist Porky. „Uns geht es um keine Spaßgesellschaft, sondern um Konzentration darauf, was eigentlich zählt: intensives Leben jenseits der Büros.“ Dieser Hedonismus passt nach Berlin. Die Stadt sei für die fünf zur zweiten Heimat geworden, sagt Phono. „Hier können die Leute richtig feiern.“

Donnerstag, 21 Uhr, Columbiahalle, 22 €

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