Konzertvorschau : Donna Summer: Rückkehr ins Liebesnest

Mit „Love to love you Baby“ reihte sich Donna Summer in den Siebzigern mutig in die Tradition des Stöhn-Songs ein. Jetzt hat die Sängerin ihr Comeback gefeiert. Und heute Abend tritt Donna Summer im Tempodrom auf.

Jörg W,er

Was ist nur aus dem schönen Genre des Skandalhits geworden? In Zeiten, wo man sich alle denkbaren Ferkeleien aus dem Internet saugen kann, haben sich sexuelle Tabus in der Popmusik wohl erledigt. Das war vor 34 Jahren noch ganz anders. Da schneiderte der Münchner Schnauzbartträger und Musikproduzent Giorgio Moroder der Musical-Sängerin Donna Summer einen Hit auf die strapazierfähigen Stimmbänder, der für rote Ohren auf den Tanzflächen sorgte.

Mit „Love to love you Baby“ reihte sich Summer mutig in die von Serge Gainsbourg und Jane Birkin begründete Tradition des Stöhn-Songs ein, wobei ihre Orgasmussimulation schon aufgrund der Länge des Stücks – 17 Minuten in der suitenartigen LP-Version – dreckiger und ausdauernder sein musste. „Love to love you Baby“ war aber nicht nur ein handfester Skandal, sondern vor allem einer der ersten Welthits der Disco-Welle, der Sängerin und Produzent schlagartig an die Spitze der Bewegung katapultierte. Mit dem hypnotisch groovenden „I feel Love“ landeten Summer und Moroder im Punk-Jahr 1977 sogar einen noch größeren Erfolg, dem Brian Eno damals zutreffend prognostizierte, dass er den Sound der Clubmusik für die nächsten 15 Jahre prägen würde.

Heute lebt die 60-Jährige, deren Ruhm seit den Achtzigern etwas verblasste, in der Country-Metropole Nashville. Und auch wenn ihr Comeback-Album „Crayons“ im Vergleich zu dem ihrer Altergenossin Grace Jones etwas hausbacken klingt, ist der Zeitpunkt ihrer Rückkehr gut gewählt. Was macht eigentlich Giorgio Moroder?

Tempodrom, Do 30.7., 21.30 Uhr, 35 € + VVK

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