Konzertvorschau : Ein bisschen schräg muss sein

Bei Madness-Konzerten ist kein Tanzstil zu peinlich, kein Outfit daneben. Da feiern Polohemden neben Nietenjacken. Am Dienstag spielt die Band in Berlin.

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Volles Haus. Weil der Andrang der Fans so groß war, tritt Sänger Graham McPherson nun in der C-Halle auf. Foto: Imago
Volles Haus. Weil der Andrang der Fans so groß war, tritt Sänger Graham McPherson nun in der C-Halle auf. Foto: ImagoFoto: imago stock&people

Sie waren schon immer etwas unberechenbar. Kamen als Ska-Band groß raus, wollten jedoch keine sein und kehrten deshalb der Plattenfirma und ihren Indie vergötternden Fans den Rücken. Landeten mit ihrem ganz eigenen Mix aus Reggae, Punk und Pop trotzdem einen Chartstürmer nach dem nächsten, zofften sich untereinander aber solange, bis eine Trennung unausweichlich war. Aus dem ersten angekündigten Comeback wurde nichts, sie zogen es schließlich doch vor, ihre individuellen Träume zu verwirklichen. Der eine wurde Vater, der andere mietete sich ein Hausboot und trat zum Buddhismus über. Als die sieben Jungs von Madness wenige Jahre später tatsächlich wiedervereint auf der Bühne standen, merkte Bandgründer Foreman, dass ihn die alten Songs langweilten. Er ließ seine Kollegen allein, weil die kein neues Album aufnehmen wollten. Kaum war er weg, sangen die Verbliebenen im Tonstudio neue Stücke ein.

Kein Wunder also, dass die Organisatoren der diesjährigen Madness-Europatournee Probleme hatten, die freundlichen Briten richtig einzuschätzen – und vom Ansturm auf die Karten für ihren im Huxleys geplanten Berlin-Gig vollkommen überrollt wurden. Wer mit Madness zu tun hat, muss eben flexibel sein: Der Auftritt wurde kurzerhand in die C-Halle verlegt. Ab 20 Uhr ist Party, dann ist, wie bei jedem Madness-Konzert, alles erlaubt. Kein Tanzstil zu peinlich, kein Outfit daneben, keiner fehl am Platz. Bei Madness feiern Polohemden neben Nietenjacken und Fair-Trade-Pullovern, mit Trägern aller Altersstufen. Madness lässt sich eben nicht in eine Nische pressen.

Gespielt werden alte Hits wie „House of Fun“ oder „Our House“ sowie Tracks aus dem 2009 erschienenen Album „The Liberty of Norton Folgate“.

Die Mitglieder empfanden stets eine tiefe Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt London. Immer wieder huldigen sie in ihren Texten den Orten ihrer Kindheit, den Pubs, in denen sie ihre künstlerischen Anfänge nahmen, oder dem Restaurant, in dem sie ihren ersten Plattenvertrag unterzeichneten. Auch ein bisschen Wehmut schwingt da mit. Darüber, dass alles sich verändert, die Stadt schneller als die Menschen. Einige Fans verstanden den Patriotismus der Band falsch, also setzte Sänger Graham „Suggs“ McPherson ein Zeichen, hüllte sich in eine Großbritannienflagge und sang ein Anti-Nazi-Lied. Für seine Gäste verantwortlich fühle er sich allerdings nicht, sagt McPherson. Politisch hätten sie, die alle irgendeine Subkultur-Vergangenheit haben, nie sein wollen. Einfach Musiker.

Das Konzert beginnt am Dienstag um 20 Uhr in der Columbiahalle. Es gibt noch Karten ab 35 Euro.

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