Konzertvorschau : Fujiya & Miyagi: Grönemeyer ist ihr größter Fan

Die britische Band Fujiya & Miyagi spielt am liebsten in Berlin – heute wieder, und zwar ziemlich spät im Scala in Mitte. "Warum wird solche Musik nicht in Deutschland gemacht?", fragt sich ihr Fan und Labelchef Herbert Grönemeyer.

Markus Hesselmann
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Attacke der Killerbirnen. Fujiya & Miyagi kämpfen für uns.Foto: Label

Es kann schon manchmal nerven, in Berlin auf Pop-Konzerte zu gehen. Der erfahrene Fan kommt ohnehin schon deutlich später als zur Anfangszeit, die auf der Eintrittskarte steht. Und wartet dann doch oft noch Stunden. Wer aber zu hoch pokert, der ist womöglich rechtzeitig zur Zugabe da, weil die Band nun doch ausnahmsweise pünktlich angefangen hat. Die Welt-Pop-Hauptstadt London ist ein gesundes Gegenbeispiel: Da gehen Konzerte pünktlich los und die allermeisten sind um elf Uhr vorbei. In Berlin wird es dagegen am heutigen Freitag wieder spät – doch diesmal lohnt sich die Nachtschicht: Fujiya & Miyagi, deren Auftritt für heute Abend um 24 Uhr im „Scala“ in der Friedrichstraße 112a in Mitte angekündigt wurde, sind eine der spannendsten neueren britischen Bands.

Gegen den hausbackenen Britpop

Die Gruppe aus der südenglischen Küstenstadt Brighton, fantasievoll benannt nach einer japanischen Firma für Hifi-Equipment (Fujiya) und einer Figur aus dem Film „Karate Kid“ (Miyagi), begann als Duo und ist inzwischen zum Quartett angewachsen. Entsprechend satter klingt nun ihr Sound auf dem neuen Album „Lightbulbs“. Dem in ihrer Heimat verbreiteten, oft doch eher hausbackenen Britpop stellen sie eine ausgeklügelte Mischung aus Elektronik und Gitarrenpop entgegen. Mit Einflüssen vom Kontinent, etwa aus Frankreich von Jean Michel Jarre bis Air, aber auch aus Deutschland, denn Fujiya & Miyagi nennen Kraftwerk, Can und Neu! als Vorbilder. Bei Neu! hat es ihnen vor allem der treibende Rhythmus des vor kurzem verstorbenen Schlagzeugers Klaus Dinger angetan. „Warum wird solche Musik heute nicht mehr in Deutschland gemacht?“, fragte sich der Wahl-Londoner Herbert Grönemeyer, als er die Band zum ersten Mal hörte. Und nahm sie bei seinem Grönland-Label unter Vertrag. Grönland hatte zuvor auch schon die legendären Neu!-Alben aus den Siebzigern als CDs wieder herausgebracht.

Auch für Fujiya & Miyagi dürfte sich die späte Schicht heute wieder lohnen. Die Band fühlt sich wohl in Berlin, was nicht nur mit ihrer Begeisterung für deutsche Musik zusammenhängt. „Unser letztes Konzert in Berlin war bislang unser bestes Konzert überhaupt“, sagt Sänger David Best – und das mit voller Überzeugung und nicht nur aus typisch britischer Höflichkeit.

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