Konzertvorschau : Knorkator: Ende mit Schlecken

Noch zwei Konzerte, dann löst sich die Berliner Radaubande Knorkator auf. Wir verlosen Karten. Außerdem diese Woche: Alice Cooper, BAP und Kettcar.

Sebastian Leber
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Furchtbar. Die Knorkator-Frontmänner Stumpen (r.) und Alf Ator stehen nur noch diese Woche gemeinsam auf der Bühne.Foto: p.a./dpa

Sie haben ihr Schrecklichstes gegeben, fast 15 Jahre lang. Sie prahlten mit ihren Tattoos und Bierbäuchen, tanzten in Damenbadeanzügen, zertrümmerten Bühnendeko und bewarfen Fans mit Gemüse. In fünf Tagen ist das Geschichte: Die Berliner Radaubande Knorkator löst sich auf. Ein Grund zum Trauern – oder Aufatmen?

Am Donnerstag und Freitag gibt es zwei Abschiedskonzerte in der Columbiahalle, dann ist Schluss. Alf Ator, 42, Keyboarder und Songschreiber der Band, zieht nach Thailand, die anderen wollen nicht ohne ihn weitermachen. Auf sechs Studioalben und eine riesige Fangemeinde hat es die Band mit ihrem harten Rock gebracht, die ganz große Karriere ist aber ausgeblieben: Knorkators höchste Position in den Charts war Platz 27. Und trotzdem haben die fünf Berliner Bleibendes geschaffen – wofür ihnen Respekt gebührt.

Erstens: Sie brachten die Selbstironie in den Hardrock. Das war auch bitter nötig, denn so übertrieben böse und abgründig sich Metalmusiker geben, so ungern gestehen sie ein, dass sie privat oft liebe Kerle sind. Knorkator haben sich darüber in ihrem Lied „Böse“ lustig gemacht. Beste Zeile: „Ich will bei Rot über die Straße gehen. Besonders wenn es kleine Kinder sehen.“

Das Nasebohren folgte einer Philosophie

Zweitens: Knorkator waren eine Konzeptband. All die Peinlichkeiten – die rosa Fellhosen, das gegenseitige Abschlecken im Rampenlicht, das Nasebohren bei Talkshowauftritten – folgten einer Philosophie: „Hässlichkeit und Abartigkeit sind befreiend“, sagt Alf Ator. „Wer als Musiker immer schön sein muss, beschränkt sich unnötig.“

Drittens: Sie haben sich nie angebiedert. Schon gar nicht bei ihren Anhängern. Stattdessen sangen sie „Ich schäme mich für meine Fans“ und sprachen damit ein Problem an, unter dem viele Hardrocker leiden: dass die Bands eigentlich junge Frauen beeindrucken wollen, die aber ganz andere Musik mögen. „Alles was ich seh auf den Konzerten, sind dicke Männer mit Bärten“, reimte Ator.

Sie feuerten Gurkenstücke ins Publikum

Viertens: Sie waren erfinderisch. Besonders live. Knorkator traten in Ganzkörper-Plüschanzügen auf, lange bevor es die Teletubbies gab. Und sie bauten die Häcksel-Kanone: eine Maschine, mit der man große Mengen Gurken zerkleinern und dann auf das Publikum abfeuern kann.

Fünftens: Sie waren sich nie zu schade. Die Liste ihrer Verletzungen und Krankenhausbesuche ist lang. Da waren die Verstauchungen durch Sprünge und Stürze von der Bühne, gefährlicher waren die Blutvergiftungen: In den ersten Jahren zertrümmerten Knorkator live Fernsehgeräte. Weil sie barfuß tanzten, schnitten sie sich an den Glassplittern.

Die ARD beklagte „Niveaulosigkeit"

Sechstens: Sie haben sich mit Dieter Thomas Heck angelegt. Im Jahr 2000 wollten sie für Deutschland beim Grand Prix antreten, beim nationalen Vorentscheid robbte Sänger Stumpen wie ein Tier über den Boden, Alf Ator zerhackte sein Keyboard mit einem Beil. Die ARD sprach von „Niveaulosigkeit“, Heck und Ralph Siegel protestierten, die „Bild“ druckte ein Bandfoto auf der Titelseite und schrieb: „Wer ließ diese Irren ins Fernsehen?“ Knorkator waren ganz zufrieden.

Einmal hätten sie echte Stars werden können. Vielleicht sogar international berühmt wie Rammstein. Vor neun Jahren nahm sie Universal unter Vertrag, das Majorlabel streckte viel Geld vor, um das nächste Album hochwertig zu produzieren. Doch Knorkator hatten Angst, „an irgendeinen schwedischen Hit-Produzenten zu geraten“ und nicht mehr nach Knorkator zu klingen. Also nahmen sie ihre Stücke bei einem Kumpel im Studio auf – heraus kam ein „ziemlich mieses Stück Musik“, sagt Ator. „Heute ist mir klar: So kann man nicht die Welt erobern.“ Aber kein Grund zur Reue: „Wir sind glücklich über unseren Weg.“ In Thailand wird Ator ein Theaterstück schreiben. Und sein neues Buch fertigstellen. Es soll heißen: „Tipps und Tricks, um so zu werden wie Alf Ator.“ Könnte eklig werden.

Die beiden Konzerte sind ausverkauft. Wir haben aber noch zwei Karten für Donnerstag: Einfach am Montag bis 19 Uhr eine Mail mit Betreff „Knorkator“ an verlosung@tagesspiegel.de schicken.

Weitere Konzerte in dieser Woche:

MONTAG
Alice Cooper und Whitesnake spielen ab 19.30 Uhr in der Max-Schmeling- Halle (ab 56 Euro), The (International) Noise Conspiracy treten ab 20 Uhr im SO 36 auf (19 Euro), BAP ab 20 Uhr in der Columbiahalle (38 Euro).

MITTWOCH
Das Konzert von Lou Reed und Wim Wenders im Tempodrom ist abgesagt.

DONNERSTAG
Public Enemy rappen ab 21 Uhr im Postbahnhof (32 Euro), auch Gründungsmitglied Flavor Flav ist diesmal dabei.

SONNABEND
Ab 21 Uhr geben Kettcar im Festsaal Kreuzberg ein Benefizkonzert (21 Euro), im Bang Bang Club treten ab 23 Uhr The Stills aus Montreal auf (10 Euro).

SONNTAG
Im Huxley’s sind ab 20.30 Uhr The Notwist zu Gast (23 Euro). Der Auftritt von Ben Becker im Tempodrom wurde auf den 14. Februar verlegt, Karten bleiben gültig.

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