Konzertvorschau : Mocky: Nie mehr Zweite Liga!

Manchmal muss er noch für Laufkundschaft spielen, aber Mocky hat das Zeug, mit seiner Soul-Energie die großen Häuser zu füllen. Jetzt tritt der Wahl-Berliner aus Kanada erst mal im Babylon Mitte auf.

Jörg Wunder
271525_0_4d48d59e.jpg
Mocky, der Stille im wilden Haufen.Foto: promo

Er war der Stille in einem wilden Haufen: Von der Rasselbande aus Toronto, die Ende der Neunziger nach Berlin zog und für ein paar Jahre die Musikszene aufmischte, war Dominic Salole alias Mocky derjenige, den man am ehesten übersehen konnte. Er ist eben kein dominanter Disco-Platzhirsch wie Gonzales, keine aggressive Electroclasherin wie Peaches und kein liebliches Stimmwunder wie Feist.

Trotz toller Alben, die in ihren besten Momenten die sexy Energie des jungen Prince ins neue Jahrtausend retteten, kann es Mocky passieren, bei einem Gratiskonzert in einem großen Kölner Plattenladen vor einer Handvoll zufällig Anwesender zu performen. Damit muss jetzt Schluss sein! Abgesehen davon, dass er in Berlin Heimvorteil hat, liefert sein aktuelles Werk genügend Gründe für ein volles Haus. „Saskamodie“, im Grunde Abfallprodukt des gewonnenen Copyright-Rechtsstreits gegen eine Supermarktkette, klingt alles andere als schrottig: Mocky reinvestierte seinen Schadenersatz, indem er sich in den noblen Pariser Ferber-Studios einmietete.

Dort spielte er mit Freunden, darunter natürlich Gonzales und Feist, aber auch Jamie Lidell und Taylor Savvy, ein Dutzend Songs ein, die seine Talente in ein neues Licht rücken: denn den einfühlsamen Sänger und Arrangeur vielschichtiger Slowfox-Akustikballaden hätte man hinter dem 34-Jährigen, der schon Dada-Punk und HipHop-Handpuppenspieler war, eher nicht vermutet.

Dass Mocky die Traute dafür haben würde, war klar. Dass er es auch kann, ist nach dem stilvollen Gecroone auf „Birds of a Feather“ oder „Somehow Someway“ ein für alle Mal geklärt. Guter Mann!

Babylon Mitte, Fr 24.4., 21 Uhr, 20 €

0 Kommentare

Neuester Kommentar