Konzertvorschau : Nina Hagen: Liebesgrüße vom Planeten Nina

Nina Hagen ist Stimmwunder, Nervensäge und neuerdings begeisterte Christin Am Mittwoch gibt sie ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr im Kreuzberger BKA.

G,a Bartels
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An den Farbfilm gedacht. Nina Hagen ist nicht nur Queen schräger Blütenträume, sondern auch Wohltäterin.Foto: Promo/Amber Gray

Mit dem durchgeknallten Titel geht’s schon wieder los: „Jesus is the Rock Christmas Peace Revolution Party“ heißt Nina Hagens einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr. Schrill. Nina kann und will einfach nicht leise sein. Die Frau, die morgens einen Clown frühstückt, dazu eine große Tasse Erleuchtung trinkt und rege Kontakte mit spirituellen Mächten und Außerirdischen pflegt, lebt eh auf ihrem eigenem Planeten, auf Planet Nina. Aber dabei vergisst sie die armen Erdlinge nicht und das ist ein schöner Zug von ihr.

Die Überraschungsshow am Mittwoch im Kreuzberger BKA ist denn auch eine Benefizveranstaltung, für ein Frauenhaus in Kabul und eine Kinderklinik in Indien. Und wieso auch eine Weihnachtsfeier, Frau Hagen? „Weil wir Christen sind und Jesus is the Reason for the Season!“ Was wird das für ein Abend? Erst ein Rockkonzert, dann Friedenstalk, Charity-Weihnachtsmarkt und Gospel-Party mit DJ Oski, erzählt sie. „Oski, das ist mein lieber Sohn Otis, der Spiritual Roots-Reggae auflegt.“ Schau an, sonst wusste man von ihm nur, dass seine Mutter ihn nach der Fahrstuhlfirma benannte, weil sie schwanger im Aufzug stecken blieb.

So kennt man die 1955 in Friedrichshain geborene Tochter von Eva-Maria Hagen: leicht exzentrisch bis komplett crazy und als Fernsehtalkshowschreck, Nervensäge und Popstar-Jurorin dauernd in den Schlagzeilen. Da wird das Wichtigste leicht vergessen, nämlich Nina Hagens wahrhaft bemerkenswerte Stimme und die Abenteuerlust, mit der sie sich immer wieder in musikalische Experimente stürzt. Vom Singen mit Achim Mentzel 1972 in „Fritzens Dampferband“ noch zu DDR-Zeiten, bevor sie 1976 im Zuge der Ausbürgerung ihres Stiefvaters Wolf Biermann in den Westen rübermachte, über ihre Punkzeit in London und die Berliner Rockjahre mit der Nina Hagen Band bis zur „Dreigroschenoper“ oder der neuen Vereinshymne vom 1. FC Union. Wegen ihrer Zusammenarbeit mit zahllosen anderen Künstlern ist ihre Stimme auf fast 500 CD-Veröffentlichungen zu hören.

Und wie sieht’s bei der Wahl-Amerikanerin nach ihren jüngsten Konzerten in Barcelona, Paris und Moskau mal wieder mit mehr Präsenz in Berlin aus? „Ich komme wieder häufiger und öfter“, beteuert Nina, „schließlich bin ich doch immer noch ein lebendiger Beat dieser Stadt.“ Und am 21. Dezember ist sie als Kellnerin bei Frank Zanders Gänseessen für Obdachlose eingeteilt. Und was ist mit einer neuen Platte? Keine Bange, die käme im Frühjahr raus. Und außerdem ihr Buch „Bekenntnisse. Mein Weg zu Gott“.

Darin beschreibt die im August frisch getaufte Christin ihre vielfältigen Erweckungserlebnisse. Inklusive dämonischer Erfahrungen im indischen Ashram. Wieso überhaupt Christin? Ist die Mutter von Cosma Shiva Hagen nicht Hinduistin oder Buddhistin? „Ich war nie Buddhistin oder Hindu, sondern schon immer Christin und habe mich bei Friedenspastor Kalle taufen lassen, weil ich Christus nachfolge und keinem Baba oder Buddha.“

Taufpastor Karl-Wilhelm ter Horst aus Schüttorf gehört zur geistlichen Talkrunde der „Jesus is the Rock Christmas Peace Revolution Party“, zu der die Hagen ihre „Lieblings-Bibelautoren“ begrüßt. Darunter auch Martin Dreyer, der Gründer der Jesus-Freaks. Sie alle signieren Bücher mit Psalm und Segensspruch.

Heiligabend feiert Deutschlands schrillster Popstar nicht mit ihrem kanadischen Freund, dem Physiotherapeuten River, 27, sondern mit den Kranken in einem Hospiz in Lohmar. Ihr Weihnachtsgruß: „Ohne Liebe kein Leben. Möge es jeden Tag Weihnachten sein! Jeden Tag Liebe geben, Liebe leben. Liebe Grüße, Nina.“

BKA, Mehringdamm 34, Kreuzberg, Mittwoch, 20 Uhr, ab 15 Euro

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