Konzertvorschau : Patrice: Lieder für die Welt

Patrice tritt im Kesselhaus auf - und erleichtert das Warten auf den internationalen Durchbruch einer rührigen deutschen Szene.

Jörg W,er
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Patrice kommt ins Kesselhaus.Foto: AccuSoft Inc.

Es ist ein leicht masochistischer Reflex, über die geringe internationale Resonanz von in Deutschland entstandener Popmusik zu jammern. Aber es bleibt dabei: Briten, Amis und der größte Teil vom Rest der Welt scheren sich fast nie um deutsche Pop-Machwerke, wenn es sich nicht gerade um Modern Talking, Tokio Hotel, Kraftwerk oder die Scorpions handelt.

Immerhin hat sich seit einigen Jahren eine rührige Szene etabliert, deren vor allem im Reggae, aber ebenso in Grenzbereichen zu Soul, R’n’B und HipHop angesiedelten Werke auch im Ausland eine gewisse Beachtung finden. Neben Seeed und Gentleman ist dabei vor allem der Kölner Patrice eine konstante Größe. Zwar hat sein zwischenzeitlich recht beachtlicher Erfolg in Frankreich an der obigen Bestandsaufnahme nicht grundsätzlich etwas geändert, aber wenigstens erleichtert seine Musik das Warten darauf.

Kein Machogetue, keine Kollegenschelte

Mit seinem vierten Studioalbum „Free PatriAtion“ gelingt dem 29-Jährigen eine souveräne Produktion von internationalem Format, die sich nicht auf das übliche Muskelspiel vieler zeitgenössischer Black-Music-Platten einlässt. Ohne Machogetue und Kollegenschelte, dafür mit zwischenmenschlich einfühlsamen, manchmal überraschend bitteren („Same Ol’ Story“), nur selten naiven („Dove of Peace“) Texten, singt sich Patrice mit herzerwärmender Stimme durch lauter schöne Songs, deren sommerliche Heiterkeit gewinnbringend vom Mehltau der Melancholie überzogen wird.

Den Reggae streift er dabei nur noch sporadisch, ist vielmehr jenseits aller Genrebeschränkungen Seelensänger und Melodienfänger. Lieder, die man auf der ganzen Welt verstehen dürfte.

Kesselhaus, Do 23.10., 20 Uhr, 25 € + VVK.

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