Konzertvorschau : Spandau Ballet waren nie in Spandau

Die britische Band räumt mit einem Mythos auf und spielt am Sonnabend erstmals nach 20 Jahren in Berlin.

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Unwahre Gerüchte halten sich oft am längsten. Das populärste über die britische Band Spandau Ballet ist, dass die fünf Musiker ihrer Band „The Makers“ einen neuen Namen gaben, nachdem sie Anfang der Achtziger das Alliiertengefängnis in Spandau besucht hatten. „Alles Quatsch, dort sind wir nie gewesen“, sagt Bassist Martin Kemp. „Die Wahrheit ist, ein Freund rief uns damals von einer Berlin-Reise an und erzählte, er hätte die zwei Wörter auf einer Toilettentür gelesen. Wir wussten nicht, was sie bedeuten, fanden aber, dass sie toll klingen“, erzählt der 48-Jährige. Zusammen mit seinem Bruder, Gitarrist Gary, spielte er in der 1979 gegründeten Synthie-Pop-Gruppe, bis sie sich 1990 auflöste. 2009 wurde dann die Wiedervereinigung bekannt gegeben, und am heutigen Sonnabend treten Spandau Ballet erstmals nach rund 20 Jahren wieder in Berlin auf. In der C-Halle präsentiert die Band viele alte Hits wie „True“ und „Gold“ sowie einige neue Songs.

„Wir waren alle sehr lange befreundet, und Spandau Ballet war einst eine riesengroße Sache für uns. Wir konnten einfach nicht länger vor der Kraft dieser Erinnerungen davonlaufen“, erklärt Kemp die Gründe für die Wiedervereinigung. Dass es nach der Trennung zu erbittert geführten Prozessen um Tantiemen zwischen den anderen Bandmitgliedern, darunter Frontmann Tony Hadley, und seinem Bruder Gary kam, sei längst vergessen. „Das Tolle ist, dass wir alle heute viel entspannter sind als damals, auch auf der Bühne. Jeder hat für sich viele eigene Erfahrungen sammeln können“, so Kemp. Sänger Hadley startete ein Soloprojekt, und die Kemp-Brüder setzten ihre Karriere als Schauspieler fort, die für Martin bereits im Alter von sieben Jahren in einem Dramaclub begonnen hat. Nach 1990 spielte er in mehreren Filmen und vielen Fernsehserien.

Aber auch ohne dass die fünf Musiker jemals in Spandau waren – eine spezielle Beziehung haben sie bei ihren häufigen Auftritten hier doch zu Berlin entwickelt, vor allem wegen eines besonderen Erlebnisses: „Am Tag des Mauerfalls gingen wir am Checkpoint Charlie vorbei und sahen im Ostsektor Hunderte von Menschen, die sich gegen die Grenzschranken drückten“, sagt Kemp. Beim nächsten Konzert in Berlin sei es ein sehr bewegender Moment gewesen, ihren Song „Through the barricades“ zu spielen und viele Menschen vor Rührung weinen zu sehen.

Was es eigentlich mit ihrem Bandnamen auf sich hat, wollte Kemp selbst nie genau wissen. Ihm reiche der schöne Klang, sagt er. Dabei ist die Formulierung historisch untersucht: Spandau Ballet bezieht sich vermutlich sowohl auf die relativ hohe Anzahl von Suiziden durch Erhängen im einstigen Spandauer Militärgefängnis als auch auf das „Spandau-Maschinengewehr“, das die Feinde der deutschen Piloten auf dem Schlachtfeld „tanzen“ ließ. Mit der Neue-Romantik-Welle der Achtziger hatte der Name also nie viel zu tun. So ist es letztendlich den britischen Musikern zu verdanken, dass die meisten Menschen heute bei der Erwähnung des „Spandauer Balletts“ nicht an Grauenvolles denken müssen, sondern bloß an soften Schulterpolster-Schmuse-Pop. Eva Kalwa

Sonnabend, 6. März, 20 Uhr. C-Halle, Columbiadamm 13, am Flughafen Tempelhof. Tickets ab 60 Euro unter Telefon 61 10 13 13 und auf www.c-halle.de

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