Konzertvorschau : Tarkan: Ein Blick – und das Herz steht in Flammen

Superstar, Identifikationsfigur, Bad Boy: Sänger Tarkan tritt am Sonnabend in Berlin auf. Spätestens seit seinem Hit "Kiss Kiss" kennen ihn nicht nur türkische Fans.

Annette Kögel
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Festgenommen. Sänger Tarkan ist der Superstar des türkischen Pop. -Foto: promo

Am Samstagabend ist die türkische Community in Berlin aus dem Häuschen. Der türkische Superstar Tarkan singt heute in der Treptower Arena. Auf seiner Metamorfoz Tour 2008 füllte er bereits Stadien in Buenos Aires und Kairo und brachte das Publikum im Londoner Alexandra Palace und im Pariser Olympia in Rage. „Schon mit seinem Blick setzt er alles in Flammen“, sagt ein weiblicher Fan. Und einigen Männern ergeht es genauso.

Auch die meisten Deutschen haben schon mal Tarkans „Kiss Kiss“-Lied gehört. Auf Türkisch heißt der Song „Simarik“ („verwöhnt, frech“). Auf den großen türkischen Partys dieser Stadt können die Leute ihre Füße auch bei „Kir Zincirlerini“ oder „Gülümse Kaderine“ nicht stillhalten. Da spürt man die heiße Sonne der Türkei. In vielen europäischen Ländern kamen seine Ethnopopstücke in die Charts. In Berlin machte ihn Radio Multikulti bekannt. Allein in der Türkei hat Tarkan 10 Millionen Alben verkauft. Auch die Königin des Türk-Pop, Sezen Aksus, trat schon mit dem Oriental-House-Star auf.

Geboren wurde Tarkan 1972 im rheinhessischen Alzey, seine Eltern waren Gastarbeiter und kehrten früh heim in die Türkei, dann aber doch wieder nach Deutschland zurück. Für moderne, westlich lebende Deutschtürken ist er heute eine wichtige Identifikationsfigur. Verkörpert der Mann mit dem bürgerlichen Namen Tarkan Tevetoglu doch so gar nicht den türkischen Macho, sondern eher den durchgestylten Metropolenbewohner.

Tarkan gilt bei extrem Konservativen auch als Bad Boy der Türkei. Zweimal zog er nach Protesten von türkischen Traditionalisten wegen seiner Liedtexte vorübergehend in die USA. Und 1998 geriet er in Konflikt mit den Behörden, weil er seine Militärzeit nur verkürzt antrat. In seiner muslimischen Heimat gibt es immer wieder auch Gerüchte, Tarkan sei schwul. Jedenfalls reden wenige türkische Künstler, anders als Tarkan, in ihren Liedern überhaupt über Sexualität oder spielen in Worten damit. In seinen Videos tanzt er jedenfalls immer brav mit Frauen. Seine Fans stehen vor allem auf seinen Hüftschwung. Sein Äußeres verändert der Popstar mit jeder neuen CD. Metamorfoz, so heißt auch sein im vergangenen Jahr veröffentlichtes Album. Mal sehen, was er in der Arena auf der Bühne so treibt. Annette Kögel

Arena, Eichenstr. 4, Treptow, Sonnabend, 20 Uhr, 36 Euro, Tel. 533 20 30

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