Konzertvorschau : The Gossip: Von tausend Furien getrieben

Die Popwelt braucht Beth Ditto. Wenn immer mehr Castingshow-Mutanten nach monatelangem Stimm- und Körperoptimierungsdrill die Charts erobern, ist jedes von der Norm abweichende Popstar-Persönlichkeitsprofil eine Bereicherung. Am Freitag tritt Ditto mit ihrer Band The Gossip im Astra auf.

Jörg W,er
Beth Ditto
Beth Ditto, The Gossip.Foto: dpa

Es grenzt an ein Wunder, dass der Erfolg eine stark übergewichtige Lesbe aus Arkansas küsst, die sich die Achseln nicht rasiert und bekennt, in ihrer Jugend Eichhörnchen gegrillt und verspeist zu haben.

Noch dazu hat sich Beth Ditto seit den zehn Jahre zurückliegenden Anfängen mit ihrer Band The Gossip konsequent dagegen verwehrt, in die Rolle des hässlichen Entleins zu schlüpfen: Ihr selbstbewusster Sexappeal hat sie nicht nur in XXL-Nacktheit auf das Cover des New Musical Express gebracht, sondern auch zur Fashion-Ikone der etwas anderen Art werden lassen.

Vulkanische Energien der jungen Aretha Franklin

Natürlich könnte das Role-Model-Konstrukt wie ein Soufflé zusammensacken, wenn es nicht von einer fantastischen Stimme getragen würde. Während ihre Mitstreiter, der Gitarrist Bruce Paine und die Trommlerin Hannah Blilie, einen vorzüglichen Garagenrock-Krawall zwischen White Stripes und frühen Yeah Yeah Yeahs zusammendreschen, singt Beth Ditto wie von tausend Furien getrieben und erinnert dabei nicht selten an die vulkanischen Energien der jungen Aretha Franklin.

Bislang klang das Ganze live noch viel aufregender als auf Platte. Doch das könnte sich ändern: Das im Juni erscheinende vierte Gossip-Album mit dem kryptischen Titel „Music for Men“ wurde von Rick Rubin produziert, der ja immer wieder – siehe etwa Slayer oder Red Hot Chili Peppers – Höchstleistungen aus seinen Schützlingen herausgekitzelt hat.


Freitag, 22. Mai, 21 Uhr, Astra Kulturhaus, Revaler Str. 99, Friedrichshain. 21 Euro.

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