Konzertvorschau : The Whitest Boy Alive: Diskokugelträume

Club-Eleganz und Lo-Fi-Sound, House-Effizienz und Folk-Verspieltheit: The Whitest Boy Alive treten Dienstag und Mittwoch im Astra Club auf.

Jörg W,er

Ein Glück, dass Erlend Øye in seiner Hobbykarriere als DJ von der technischen Perfektion mancher seiner Kollegen Lichtjahre entfernt war. Denn aus dieser Limitiertheit entwickelte der zeitweise in Berlin beheimatete Norweger den Spleen, seine offenkundige Mischpultstümperei bei den heiklen Song-Übergängen einfach durch kleine Gesangseinlagen zu überspielen. Diese auf einem DJ-Kicks-Sampler des Berliner K7-Labels festgehaltene Schrulligkeit führte den ehemaligen Sänger der Folk-Leisetreter Kings Of Convenience indirekt zu seiner neueren Band: The Whitest Boy Alive.

Mit seinen drei Partnern Marcin Öz, Sebastian Maschat und Daniel Nentwig bastelt Øye seit einigen Jahren an einer von jeglicher Angestrengtheit und physischen Last befreiten Tanzmusik herum, die Club-Eleganz und Lo-Fi-Sound, House-Effizienz und Folk-Verspieltheit auf unerhörte Weise zu verschmelzen weiß. Das gelang schon auf dem Debütalbum „Dreams“ vorzüglich und warf mit dem krisp groovenden „Burning“ sogar einen Indie-Hit ab. Der simple Trick war und ist, dass The Whitest Boy Alive ihre ursprünglich für ein elektronisches Format gedachten Songs einfach ins Gitarrenband-Genre rückübertragen haben, was den besonderen Flow der Musik teilweise erklärt. Auf dem unlängst erschienenen Nachfolger „Rules“ dürfen auch wieder Keyboards ins runder, fülliger gewordene Klangbild, das dennoch seine analoge Wärme beibehält. Für Pop-Leistungsfetischisten bleiben sie ungenießbar, für alle anderen sind The Whitest Boy Alive, die noch dazu eine vorzügliche Live-Band mit ausgeprägten Rampensau-Ambitionen vorstellen, der Diskokugel- Traum der Indie-Fraktion.

Astra Club, Di/Mi 21./22.4., 20 Uhr, leider ausverkauft.

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