Pop : KURZ & KRITISCH

Die Bremerin Sophie Hunger spielt im Dot Club. In der Schweiz belegt die letzte Platte der 26-Jährigen den ersten Platz in den Charts.

Jörg W,er

POP

Stimmen des Blues: Sophie Hunger im Dot Club

Sophie Hunger hat mit ihrer letzten Platte die Spitze der Schweizer Charts erklommen, was außerhalb der 26 Kantone erst mal nicht viel heißt. Doch vor dem Auftritt im Dot Club ringelt sich die Besucherschlange weit in die Falckensteinstraße hinein. Die 26-jährige Bernerin ist mit einer vierköpfigen Band angereist, die zwischen bluesigen Balladen und rustikalem Folkjazz eine Menge Zwischentöne beherrscht. Sie zupft elektrische oder akustische Gitarre und singt mit einer Stimme, die man zunächst unterschätzt: schon wieder eine dieser talentierten jungen Damen, die wie Nina Simone oder gar Billie Holiday klingen möchten. Doch dann merkt man, dass da viel mehr Schichten und Resonanzräume sind. Plötzlich hört sie sich wirklich wie eine alte Blueslady an, dann singt sie seidig wie Norah Jones, meckernd wie Patti Smith, inbrünstig wie Janis Joplin. Bei der Coverversion von Irma Thomas’ "Ruler of my Heart“ misst sich Sophie Hunger ohne Gesichtsverlust mit einer der großen Souldiven der Sechziger. Ihre Begleiter spielen wie im Rausch, vor allem Michael Flury legt sein Herz in Posaunensoli von kristalliner Schönheit. Durch die dornige Folk-Psychedelik von „Citylights“ tastet sich Hunger wie Beth Gibbons im Portishead-Klanglabyrinth, das schwyzerdütsch gesungene "Spiegelbild“ begeistert mit windschiefen Harmonien. Jörg Wunder

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