Loadblog : Das Berlin-Mixtape: Zehn Songs für 2010

Wie klingt Berlin 2010? Nach schwitziger Tanzfläche, Latte macchiato, Wüste und Verzerrer. Diese zehn Songs ergeben nach dem Download ein Mixtape von Berliner Bands und Musikern, von denen wir 2010 noch mehr hören werden.

Peer Göbel
Zoe Leela
Zoe Leela. -Foto: promo

Während durch die Musikpresse eine Welle der Rückblicke auf das vergangene Jahr und die Dekade rollt, richten wir den Blick nach vorne. Die britische Musik-Zeitschrift „NME“ hat schon in der ersten Januar-Ausgabe die kommende (britische) Musik des Jahres als Mixtape vorstellt, wir werfen einen Blick auf den Schmelztigel Berlin: Bands und Künstler aus der Hauptstadt, die uns 2010 begleiten werden.

Die Download-Links führen auf die Seiten der Künstler oder Labels, auf denen sich dann der direkte Link zu den MP3s findet.

1. Get Well Soon – 5 Steps / 7 Swords
Ein junger Mann namens Konstantin Gropper überraschte 2007 mit einem Album, das so gar nicht nach Schwaben oder Hamburg oder Berlin klang, sondern mit Mariachi-Trompeten und orchestralen Arrangements eher die Weite der texanischen Wüste atmete: große Pop-Songs im internationalen Format, auf die man sich einigen konnte. In der Zwischenzeit zog es den Exil-Süddeutschen nicht nur nach Berlin, er schrieb auch Filmmusik für Wim Wenders und stellt nun den Nachfolger zu „Rest Now, Weary Head“ vor: „Vexations“.
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2. Cobra Killer – Schneeball in die Fresse
Mit Cobra Killer verbindet sich die Berliner Geschichte von Digital Hardcore bis Monika Enterprise, nun sind die beiden Elektroclash-Diven zurück. Für ihr neues Album, das sich wiederum zwischen Punk, Verführung und Kunst bewegt, konnten sie Gäste wie J. Mascis oder Thurston Moore gewinnen. Und den kostenlosen Song von der neuen Platte „Uppers and Downers“ ziert nicht nur ein Gitarrenriff von Jon Spencer, sondern auch Chorgesang von den Prinzen.
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3. Ja, Panik – Nevermore
„Das wird bald alles uns gehören!“ Und das Jahr 2010 gehört der Gruppe Ja, Panik. Lange nicht mehr hat eine deutschsprachige Formation so den Nerv der Zeit getroffen. Sie verbinden gerechte adoleszente Wut mit düsterer Distanz und assoziativen Wahrheiten, Pavement, Falco und Lou Reed. Ihr eigenes „Berlin“-Album trägt den Namen „The Angst and the Money“. Vergangenes Jahr zogen die fünf von Wien nach Berlin. Willkommen!
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4. I Might Be Wrong – Woodpecker
Fünf Köpfe nehmen das auf, was in den Nischen von Berlin seit Jahren gedeiht: Pluckernde Electronica der Morr-Music-Schule sowie vertrackten Postrock der Sinnbus-Szene. Daraus machen sie Popmusik, melancholisch und nachdenklich, auf Notwist verweisend, gekrönt vom sanften Gesang von Lisa von Billerbeck. Mit dem Album “Circle The Yes” in der Tasche gehen I Might Be Wrong im März auf Europatour, Großbritannien und zurück.
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5. Peaches – Talk to Me
Auf einem Berlin-Mixtape darf Peaches nicht fehlen, denn welche Superstars hat Berlin denn noch vorzuweisen? Die Kanadierin hat in der vergangenen Dekade das Bild geprägt, das die Musikwelt von uns hatte: sexy, klug, selbstbewusst, verwirrend und glamourös. Mit dem Album „I Feel Cream“ setzt Peaches auch die Agenda für die 10er Jahre.
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6. Delbo – Belvedere


Vor neun Jahren dokumentierte Radio Fritz mit den „Berlin macht Schule“-Samplern nicht nur einen neuen frischen Wind in dieser Stadt, sondern stieß auch viele Entwicklungen an. Von den damaligen Bands sind einige an die Oberfläche gespült worden, wie Mia oder Virginia Jetzt, und viele sind vergangen. Delbo haben einfach weitergemacht, ihren verschraubten und ganz eigenen Gitarren-Entwurf weiter geschrieben, in dem es keine herkömmlichen Akkorde gibt, sondern großartige Trugschlüsse, Texte und Momente. Neben dem Album-Track „Belvedere“ gibt es auch eine komplette EP zum kostenlosen Download.
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7. Robot Koch – Away From


Niemand entwirft wie Robert Koch den Soundtrack zum nächtlichen Berlin. Das Jahcoozi-Mastermind bringt auf seinem ersten Solo-Longplayer die Welten von Elektronik und HipHop zusammen, in unerhörten Beats und Schattierungen. Für „Death Star Android“ kann das All nicht weit genug sein.
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8. Bodi Bill – I like Holden Caulfield
Sie überraschten Minimal-Dancefloors mit Geige und Gitarre und brachten umgekehrt ganze Indie-Festivals zum Raven: Bodi Bill verbinden Welten. Housebeats, die oft aus Schlägen auf Holzstämme deriviert sind, treffen Elektro-Geschraube, akustische Instrumente und Songwriting. Das Trio, das eng mit dem Karlshorster Sinnbus-Label verbunden ist, sitzt gerade am neuen, dritten Album.
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9. Bonaparte – Gigolo Vagabundo
Bonaparte stellen als 9- bis 20-köpfiges Zirkus-Kollektiv alles auf den Kopf, was man über Konzertsituationen weiß. Artistik, Kostüme, entfesselte Musik aus Club, Rock, Balkan, Sloganeering, Wahnsinn. Wenn die internationale Reisegruppe nicht gerade auf Wanderschaft ist, sammelt sie sich zu größten Teilen in Berlin und mischt hier die Bühnen auf.
Download (auf „Muzik“ klicken)

10. Zoe Leela – Queendome Come

New Plastic Soul nennt Zoe Leela ihren Sound, eine urbane Mischung aus Lounge, jazziger Elektronik, 007-HipHop mit samtiger Stimme. Die in Kreuzberg beheimatete Sängerin und Schauspielerin hat nicht nur einen Song kostenlos im Netz stehen, sondern gleich ihr ganzes Debüt-Album. Das Werk unter Creative-Commons-Lizenz wurde im ersten Monat gleich 30.000 Mal heruntergeladen. Zurecht.
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Wer weitere Musik kostenlos downloaden will, wird auch auf der Übersichtsseite im LoadBlog fündig. Peer Göbel ist Leitender Redakteur des Online-Magazins LoadBlog, das täglich über Downloads, Tipps und Tricks berichtet und zu den 100 meistgelesenen Blogs in Deutschland gehört.

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