Mehr als nur Revival : Sie waren gut und grauenvoll: Doku über die 80er

Es ist ein Phänomen, gerade da jetzt auch die nuller Jahre zu Ende gehen: Die achtziger Jahre sind quicklebendig, Revivals allerorten, ob in Mode, Kunst oder Pop, und auch erklärt werden will dieses Jahrzehnt immer aufs Neue.

Gerrit Bartels
Depeche Mode
Standing by the Wall. Depeche Mode Anfang der Achtzigerjahre in Berlin. -Foto: Marion Schult

So startet Arte heute die sechsteilige Reihe „Welcome To The Eighties“, in der der Kultursender die verschiedenen popmusikalischen Strömungen dieses Jahrzehnts von Postpunk bis Acid House mitsamt den angeschlossenen Jugendkulturen umfassend erläutert. Der erste Reflex ist ein abwehrender: Bitte nicht wieder eine Dokumentation wie „Verschwende deine Jugend“! Bitte nicht wieder ein Film über die ersten Block Parties in der Bronx! Schnell aber wird man eines Besseren belehrt, zeigt die Reihe in Form von Interviews mit damaligen Szene-Protagonisten und Archivmaterial detailliert, wie sich in den Achtzigern die Popstile ausgebildet haben, wie die Grundlagen geschaffen wurden für die Ausdifferenzierung der Popmusik, wie wir sie heute kennen.

Arbeiteten damals Bands wie Gang of Four und Wire daran, die rohe Energie des Punk in komplexere musikalische Strukturen zu überführen, so experimentieren andere englische Musiker mit den ersten Synthesizern, von Human League über O.M.D. bis Heaven 17. In Deutschland dagegen regieren die Neubauten und D.A.F, später die Neue Deutsche Welle, die sich bald mit Witzbands wie Hubert Kah oder Extrabreit selbst den Garaus macht. Immer wieder arbeiten die sechs Filme auch heraus, wie Subkulturen kommerzialisiert wurden: wie der etablierte Kunstmarkt die Graffiti-Szene aufsaugt. Wie auf den Synthiesound von Depeche Mode der Synthiesound von Modern Talking folgt. Wie Bruce Springsteen den grell geschminkten britischen Romantikern von Kajagoogoo und Culture Club mit „Born In The USA“ den Stinkefinger zeigt.

Die achtziger Jahre, das zeigt die Reihe gut, legten die Saat für viel Gutes, sie waren aber auch ungemein grauenvoll. Den Final Countdown aber haben sie noch immer nicht erlebt.

„Welcome To The Eighties“, Arte, 11. August, 22 Uhr 55. Fortsetzung 18. und 25. 8.

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