Mogwai – Hardcore will never die, but you will : Vom Sommer in die Traufe

Auf ihrem siebten Studioalbum glänzen Mogwai wieder mit Breitband-Rock, der ohne das Schielen auf Chartpositionen auskommt. Die Schotten  bleiben mit „Hardcore will never die, but you will“ eine der spannendsten Bands dieses Planeten.

Martin Väterlein
Schlecht gelaunt ist der neue Sommertrend
Schlecht gelaunt ist der neue SommertrendFoto: Rock Action

Kaum zu glauben, dass man so eine Platte im Sommer aufnehmen kann. Und doch hat sich die Band mit Paul Savage, dem Produzenten ihres Debütalbums, ins Studio verzogen, als andere sich in Freibädern oder vor Eisbuden herumtrieben. Düster, mysteriös und melancholisch beginnt „Hardcore will never die, but you will“.
Nach dem Opener „White Noise“ kommt einem mit „Mexican Grand Prix“ das eingängigste Stück des Albums entgegen. Das könnte so auch auf einer besseren Sonic Youth Platte zu finden sein. Einzig der dezente Einsatz eines Drumcomputers irritiert kurzfristig. Gleich darauf türmen sich aber wieder undurchdringlich scheinende Gitarrenwände gen Himmel und die Songs fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen, das man nur auf Albumlänge wirklich erfassen kann. Nein, eine Singles-Band wird aus Mogwai wohl nicht mehr werden. Gut so.
Diese einzigartige Band bleibt bei ihren Leisten und lässt Noise-Attacken gekonnt und überaus souverän gegen leise, ja, fast meditative Momente („Letters to the Metro“) antreten.
Zusammengehalten wird dieses Hin und Her von einer stoisch vor sich hinspielenden Rhythmusgruppe. Besonders Schlagzeuger Martin Bulloch ist weit davon entfernt, durch überambitioniertes Spiel aufzufallen und bewahrt Mogwai so davor, in unangenehme Prog-Posen abzudriften.


Ab der zweiten Hälfte wird „Hardcore“ seinem Namen immer weniger gerecht. Die ruhigen Töne dominieren zusehend bis beim letzten Stück mit dem überzeugenden Titel „You’re Lionel Ritchie“ noch einmal die Gitarrenverzerrer röhren. Es ist und bleibt schade, dass eine Band mit solch tollen Songtiteln kaum Texte schreibt.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass man Lionel Ritchie sein könnte, sterblich ist und Mogwai nach wie vor ihren Rang als eine der spannendsten Bands dieses Planeten behauptet haben. Das ist doch schon mal was.
Die LP erscheint übrigens als limitierte Box mit einem sehr umfangreichen Bonusprogramm aus Doppel-LP, Doppel-CD und extra 12“ mit Demoversionen.  

Ebenfalls neu auf Vinyl:

Ganz tief in den unerforschten Regionen der Weltmusik gräbt der Sampler The Sound of Siam, der diese Tage auf dem Soundway Label erscheint. Erstaunlich, was dabei zu Tage gefördert wird. Im Thailand der Jahre zwischen 1964 und 1975 existierte eine lebendige und zu mancher positiven Überraschung fähige Musikszene, die ihren Ausdruck in einem bunten, leicht psychedelischen Mix aus Beat, Jazz, Soul und Volksmusik findet. Illustriert wird das durch das hübsche Cover der Doppel-LP.
Interessant und empfehlenswert.

Regiealtmeister David Lynch kommt uns diese Woche mit einem „Album“ namens Good Day Today. Dabei handelt es sich im Grunde genommen um zwei Stücke, die in je fünf Variationen, sprich Remixes dargeboten werden.
Der Song „Good Day Today“ ist eine flotte, unkomplizierte Elektronummer, bei der Lynch harmonischen Vocoder Gesang beisteuert. Hiervon gibt es unter anderem einen gelungenen Remix von Underworld.
Das zweite Stück „I know“ erfüllt schon eher die musikalischen Erwartungen, die man in den Macher von Twin Peaks und Lost Highway haben könnte. Leicht unheimlich, schlurfend, von Twang-Gitarren getragen wird hier Lynchs Gesang untermalt.
In der Summe ist das ganz nett. Aber zwei Kompositionen so auf Albumlänge aufzupusten, wäre nicht nötig gewesen. Da hätte es eine gute alte Maxi auch getan.



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