Musik : Bei dir, bei mir

Peter Maffay hat sich vom Schlager über Pop zum Rock gewandelt - nun stellt er in Berlin sein neues Album vor.

Rüdiger Schaper
Peter Maffay
Peter Maffay -Foto: ddp

Der deutsche Schlager kennt keine Probleme. Denn es gibt ihn schon lange nicht mehr. Bei deutschen Rocksängern sieht es anders aus – sie wollen anspruchsvoll sein (früher hieß das mal progressiv). Als Kronzeuge wäre Herbert Grönemeyer zu nennen, da klingt immer noch das deutsche Kunstlied der Romantik durch. Schubert aus Bochum sozusagen, Winterreise mit Currywurst. Immerhin kann man damit Stadien füllen.

Peter Maffay aber ist die Ausnahme von all diesen deutschen Regeln. Vor bald 40 Jahren als Schlagerträumer abgesprungen („Du“), ist er – auch schon länger her – als gutmütiger Bühnentiger sanft gelandet. 40 Millionen Platten hat er verkauft, da wird die Konkurrenz blass. Man nimmt ihm halt nichts übel, man nimmt es ihm ab: die Schmuseballaden mit Lederjacke, die Sorge um die böse Welt, die beständigen Liebes- und Treueschwüre. Maffay ist der Hymnensänger des deutschen Pop. „Und es war Sommer“, bis heute unerreicht.

Auf seinem neuen Album „Ewig“ (Sony/BMG), das er am Montagabend im Berliner Postbahnhof vorgestellt hat, finden sich gleich mehrere solcher hymnenverdächtigen Songs. „Wenn alles geht/die Liebe bleibt“. Oder „Wenn nicht für immer/dann wenigstens ewig.“ Wird man sich merken müssen, wird sich einbrennen. Widerstand wahrscheinlich zwecklos.

Die schöne Halle am Ostbahnhof ist nun nicht die typische Maffay-Location; sonst hört man hier eher Indie-Rockbands. Und das muss man schon sagen: Was Maffay und seine Band um den Gitarristen Carl Carlton und den Keyboarder Jean-Jacques Kravetz da losgelassen haben, war ein veritables Rockkonzert. Nur neue Songs, krachig und laut. Und wieder rauchzart wie ein transsylvanischer Schamane; da stammt er ja her. Mit 59 Jahren kann ein Rocker schon mal in die Ewigkeit schielen. „Wenn ich bei dir bin/bin ich bei mir.“ Mehr Mantra geht nicht in der Hitparade. Nächstes Jahr geht Maffay auch wieder auf Open-Air-Tour (am 9. Juni 2009 in der Berliner Wuhlheide). Was zu retten war vom deutschen Schlager, hier lebt es fort, in dem ewigen Jungen, der einst als Mann die Sommersonne aufgehen sah. Rüdiger Schaper

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