Musik-Rezension : Auf dem Weg nach ganz weit draußen

Nach "Nia" und "Blazing Arrow" zünden Blackalicious mit "The Craft" eine weitere Rakete.

Achim Fehrenbach

Gleichzeitig schwerelos und mit beiden Beinen auf dem Boden zu sein ist gar nicht so einfach, das hat der Discovery-Mission gezeigt. Wer ins All will, muss in Kontakt zur Bodenstation bleiben oder zumindest sehr gut wissen, woher er kommt. Die Astronauten von Blackalicious haben damit kein Problem, ihre space trips aus der Basis im San Francisco Bay Area sind stets gut vorbereitet. „Nia” von 1999 war eine Rakete, „Blazing Arrow” von 2002 erst recht, und das neue Album „The Craft” dürfte ebenfalls ein großer Erfolg werden.

Kein Wunder, denn mit Parliament-Gründer George Clinton haben sie für den Track „Lotus Flower” einen Mann an Bord genommen, der die Tiefen des Raumes kennt. „We’ve just begun to travel” raunzt Clinton mit seiner uralten Stimme, während sich Blackalicious-Rapper Gift of Gab zu einem kosmischen Groove immer höher schraubt. Der sieht sich in seinen Texten gerne als vessel, nicht nur als space vessel, auch als Gefäß für die Botschaft, die durch seine Reime spricht: „Stay metaphysical”. Ihrer Musik messen Blackalicious eine fast religiöse Bedeutung bei, was nicht bedeutet, dass sie nicht auch mal Lied über ein Vorstadtmädchen in einem unwiderstehlich heiteren Rock-Rhythmus schreiben können. Das übliche Macho-Gehabe charts-gestählter HipHopper geht ihnen dagegen völlig ab.

Das Raumschiff hebt ab

„The Craft” ist – wieder einmal – ein unglaublich vielseitiges Album geworden. Producer Chief Xcel hat sich eine ganze Reihe von interessanten Leuten ins Studio geholt, unter ihnen Floetry, die Livesavas, Ledisi und natürlich die Solesides-Kumpels Latyrx und Lateef the Truth Speaker. Funk, Soul und Oldschool-Rap münden in einen endlosen Flow. Gift of Gabs sonore Stimme wärmt das Ohr, während Xcel 70s-Bläser und Streicher mit futuristischen Beats kombiniert. Zu den besten Tracks zählen „Automatique”, ein relaxter Groove mit den zarten Stimmen von Floetry, und „Give it to you”, dessen Bass ganz tief in der Magengrube pocht. "My Pen and Pad“ ist ein klassisches Blackalicious-Stück im Stile von „Nia”, während „Egosonic War Drums” beschwörend über unsere Köpfe hinwegdonnern. Das Raumschiff hebt ab – steigen Sie ein.

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