Musik-Rezension : Und sie dreht sich weiter

Wo schlägt das Herz der Musik? James Murphy findet es im Innern einer Disco-Kugel. Und legt mit seiner Band LCD Soundsystem ein großartiges zweites Album vor.

Achim Fehrenbach

Dass seine Mischung aus Disco, Funk und Punk bestens funktioniert, hat der New Yorker Murphy vor zwei Jahren mit einem grandiosen Debüt-Album bewiesen - jetzt legt er nach. Die schicke Wut und Rastlosigkeit des Vorgänger-Werks weicht in "Sound of Silver" immer mehr einem metallischen Schwebezustand, irgendwo zwischen Krautrock à la "Neu" und den Raumfahrten eines David Bowie. Die Songs schrauben sich hypnotisch nach oben, nach draußen, an die zurückweichenden Wände des Disco-Raums. Murphy lässt die Silberkugel virtuos rotieren, erst in Zeitlupe auf dem majestätischen Opener "Get Innocuous!", schneller dann auf "Time to get away", auf Hochtouren bei "North American Scum".

Jogging-Musik für Astronauten

Das Album strahlt zwischen den punkigen Stücken eine kosmische Ruhe aus. Man stelle sich die Astronauten aus Stanley Kubricks "2001" vor, wie sie Runde um Runde durchs Raumschiff joggen, während "Sound of Silver" aus den Lautsprechern schallt. Mastermind Murphy katapultiert Funk und Punk geradewegs in die Zukunft. Statt bleierner Reglosigkeit und psychedelischen Farben herrscht permanente Aufbruchstimmung - immer weiter hinein geht es in die Tiefen des Raums. Mal schwebt das Album über tiefen Bässen wie bei "Someone Great", mal über durchscheinenden Chören wie bei "Sound of Silver". LCD Soundsystem gibt sich in solchen Momenten völlig dem Rhythmus hin, packt immer noch eine Schicht drauf. Kuhglocken, Drum-Computer, joggender Bass, alles greift ineinander, bis die Klangmauer über unseren Köpfen zusammen zu stürzen droht. Jedoch: Die Disco-Kugel dreht sich weiter.

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