Nachruf : Ronnie Drew: Lauter als Gott

Zum Tod des irischen Folksängers Ronnie Drew. Ein Nachruf.

H.P. Daniels
226459_0_2d069723
Der irische Folksänger Ronnie Drew ist am Wochenende verstorben. -Foto: dpa

Eine eindrucksvolle, kräftige Erscheinung, mit wildem, weißem Haar und langem Karl-Marx-Bart, meist verschmitzt lächelnd unter wässrig blauen Augen mit schweren Lidern. So sah man Ronnie Drew, wenn er seine Lieder sang. Die leichten, fröhlichen Sauflieder, die zum Tanzen und Mitsingen animierten, und die tiefmelancholischen Balladen, die einem die Tränen in die Augen trieben. Ronnie Drew mit seiner einzigartigen Stimme, die, wie die Leute in Irland sagten, wie das Kratzen von Koks klang, der unter einer Tür zermahlen wird, war der wohl wichtigste Botschafter der irischen Folk-Musik.

Gründungsmitglied der "Dubliners"

1934 in Dun Loghaire geboren, gründete Drew 1962 gemeinsam mit Luke Kelly, Ciarán Bourke und Barney McKenna im Dubliner O’Donaghue’s Pub die "Ronnie Drew Ballad Group" aus der schließlich die "Dubliners" wurden, Irlands größte Musiklegende, weit vor Drews Landsleuten Van Morrison, Rory Gallagher, The Pogues, The Chieftains und U2. „Ronnie ist wie der König von Irland, und wir sind alle seine Untertanen“, hat sein prominentester Fan, der U2-Sänger Bono, einmal über Drew gesagt.

1995 verließ Ronnie Drew die Dubliners, weil er es satt hatte, nach 33 Jahren immer wieder Abend für Abend die selben Songs zu singen: "Seven Drunken Nights", "The Wild Rover", "Whiskey In The Jar", "Finnegan’s Wake", all die knarzigen Trinklieder, die die Fans so gerne hörten und mitgrölten. Drew begann eine Solokarriere, nahm das vorzügliche Album "Dirty Rotten Shame" (1995) auf, dem etliche weitere folgten. Vor allem die herzerweichenden Balladen wurden zu seiner Stärke. 2006 erschien "There’s Life In The Old Dog Yet", zu einer Zeit, als "der alte Hund" schon ziemlich krank war.

An Lungenkrebs gestorben

Am gestrigen Samstag ist der "King Of Folk Music" nun an Lungenkrebs gestorben, im Dubliner St. Vincent’s Hospital, friedlich und am selben Tag wie Elvis, der "King Of Rock’n’Roll", 31 Jahre vor ihm. Pflegten beide auch unterschiedliche musikalische Stile, so war Presley und Drew doch eine ungeheure Intensität im stimmlichen Ausdruck gemein, und die Fähigkeit, die Herzen ihrer Zuhörer zu erreichen, sie zum Lachen oder Weinen zu bringen – was eben nur die ganz Großen vermögen.

Kürzlich hatte Drew noch mitsingen sollen bei „The Ballad Of Ronnie Drew“, einem Gemeinschaftsprojekt, das Bono, Sinead O’Connor, Shane McGowan, Christy Moore und andere ihm zu Ehren aufnahmen. Doch da war Ronnie Drew schon zu schwach. Lassen wir Bono das letzte Wort über ihn sprechen: "Jetzt singt er im Himmel", sagte der U2-Sänger kurz nach Drews Tod. "Sie werden ihn brauchen dort oben, es geht dort ein bisschen zu ruhig und fromm zu. Gott sehnte sich nach einer Stimme, die lauter ist als seine eigene."

0 Kommentare

Neuester Kommentar