Nachruf : Sebastian Hackert: Radau, Bruder!

Die wahren Meister der Inszenierung bleiben oft im Hintergrund. Zum Tod des Hip-Hoppers Sebastian Hackert, dem Produzenten der norddeutschen Rap-Formation Deichkind.

Kai Müller

Arbeitstechnisch sind Hip-Hop-Crews eigenartige Konstrukte: Während die Masters of Ceremony, kurz: MCs, als Wortführer auftreten und die Aufmerksamkeit am Bühnenrand auf sich ziehen, bleiben die DJs und Produzenten als die wahren Meister der Inszenierung oft im Hintergrund. Sebastian „Sebi“ Hackert war ein solcher Produzent für Deichkind, die norddeutsche Rap-Formation, die zuletzt mit „Arbeit nervt“ und „Remmidemmi“ zwei ansehnliche Hits hatte. Hackert tüftelte die mit der Zeit immer weiter vom dumpf-bollernden Hip-Hop-Gestampfe sich entfernenden Sounds des Kollektivs aus. Für die ironischen Texte seiner Mitstreiter fand er mitreißende Disko-Rhythmen, die sich sukzessive der Synthie-Kälte des Eighties-Pop annäherten. Von der einflussreichen Hamburger Hip- Hop-Szene hoben sich die Kunstrebellen schon dadurch ab. Aber auch, weil ihr anarchischer Geist sie davor bewahrte, sich mit den Glücksversprechen des Showbusiness zufrieden zu geben. Ihre Konzerte arteten in absurd chaotische Satyrspiele aus und legten den dekadenten Kern ihres Treibens selbstbewusst frei. Ob die Band nun weitermachen wird, ist nach dem überraschenden Tod ihres Masterminds Sebi Hackert ungewiss. Bereits vergangenen Samstag wurde der 32-Jährige leblos in seiner Hamburger Wohnung gefunden. Über die Todesursache besteht derzeit noch Unklarheit.

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