Neues Album : Amanda Blank: Zur Liebe bereit

Hip-Hop-Diva, Riot Girl, Hippie-Göre: Amanda Blank und ihr Debütalbum „I Love You“.

Gerrit Bartels
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Kennt die Popgeschichte. Amanda Blank in Sex-Pistols-T-Shirt. Foto: promo

Einfach so aus dem Nichts kommt in der Popmusik von heute niemand mehr. Entweder sind es die Städte, in denen die Popstars von morgen geboren sind oder aufwachsen, die viel pophistorisches Kapital angehäuft haben. Oder es sind bestimmte Szenen, die gleich mehrere ihrer Protagonisten nach vorn schieben und innerhalb derer Karrieren gegenseitig befördert werden. So ist es auch im Fall von Amanda Blank, einer 26-jährigen Musikerin und Rapperin aus Philadelphia.

Klapp, klapp, klapp macht es da natürlich gleich bei der Nennung von Amanda Blanks Geburtsstadt, die die siebziger Jahre entscheidend mit Soul- und Discomusik versorgt hat, mit dem für seine künstlichen Streicher berühmten „Sound of Philadelphia“, kurz auch Philly-Sound genannt. Aber Philadelphia steht auch für eine neuere Spielart von Soul, hier sind Neo-Soul- und Hip-Hop-Größen wie Erykah Badu, Talib Kweli, Common oder die Roots zu Hause.

Und seit neuestem macht die Stadt durch eine Szene auf sich aufmerksam, die sich mit ihren Beats an allem möglichen vergreift, an Indie genauso wie Hip-Hop, an Surfmusik wie an Reggae. Stellvertretend dafür stehen Musiker wie der Hip-Hopper Spank Rock, ein enger Freund von Amanda Blank, mit dem sie einst ihre ersten Reime schrieb. Und besonders die beiden Produzenten Diplo und Switch, die nun zusammen mit Spank Rock auch an Amanda Blanks Debütalbum „I Love You“ letzte Hand angelegt haben. So wie es sich bei diesem musikalischen Hintergrund und überhaupt für die eklektizistischen nuller Jahre gehört, lässt sich dieses Album nur schwer einem bestimmten Genre zuordnen. „I Love You“ ist natürlich irgendwie ein Hip-Hop-Album, weil Amanda Blank mehr rappt als singt, ansonsten lässt sich zwischen zauberhaftem Elektro, Synthie-Pop-Geblubber, Cyber-Funk, Keyboard-Geperle und ordentlich Bass alles Mögliche heraushören.

Trotzdem ist Amanda Blank alles andere als die gutaussehende, sexy Marionette eines Produzententeams, das damit seinen ausgefeilten Beats und Sounds ein menschliches Antlitz geben und auch auf dem Markt erfolgreich sein will. Amanda Blank, die bürgerlich Amanda Mallory heißt, aus einer Hippie-Familie stammt und mit dem Old-School-Hip-Hop eines Big Daddy Kane und einer MC Lyte groß wurde, dominiert dieses Album mit ihrer Stimme und gibt sich als Mischung aus Hip-Hop-Diva, Riot Grrrl und Peaches-Adeptin. Das dann schon gern auch mal ohne Diva, ohne Riot und ohne Dildos (wie bei Peaches üblich), aber immer so explizit, dass man nicht mehr genau weiß, ob ihre Lyrics noch korrekt postfeministische Selbstermächtigung sind oder schon der reine Sexismus. „Hey, big daddy, what are you doing tonight, I got so many honeys on my request night, spending all their money for a taste of my time“, rappt sie in dem Stück „Big Heavy“, um zu dem Schluss zu kommen: „I ’m ready so, ready, baby, give me a sign, I give good love, I want your love, I need your love.“ Oder sie schmachtet, in einer schönen, ordentlich gesampelten Umdrehung des einstigen LL-Cool-J-Gassenhauers „I need love, I need love, I’ m a Lady“.

Wenn ein Rapper wie LL Cool J einst seine weiche Seite zeigen durfte, warum sollte das heutzutage nicht eine weibliche Rapperin tun? Für Amanda Blank eine Selbstverständlichkeit. Damit trotzdem keine gröberen Missverständnisse aufkommen, hat sie ihre expliziten Lyrics in ein Album-Coverartwork verpackt, auf dem sie mit einem zerknautschen Gesicht und einem Zeigefinger im Mund in popgrün und popgelb abgebildet ist. Und auch Posen in Sex-Pistols-T-Shirts sollen demonstrieren, woher der Geschlechterwind weht. Amanda Blank kennt sich aus in der Popgeschichte, und neben der Adaption von LL Cool Js „I Need Love“ findet sich auf ihrem Album auch eine Coverversion von Vanity 6, einer Girl-Group von Prince’ Gnaden Anfang der achtziger Jahre. Amanda Blanks „Make Up“ klingt dabei wie ein böser, kalter Bastard des Prince-Stücks, da möchte man mit Blank zusammen nicht gerade als Letzter auf einer Party herumstehen. Auf dieses Stück folgt aber dann wieder eine so schöne und smarte Synthie-Mitgröl-Hymne wie „Shame On Me“. Oder eben besagtes „Big Heavy“, ein Tanzbodenfeger, mit dem Amanda Blank ohne große Umwege auch ein Mainstream-Publikum erreichen sollte. Einladungen wie diese kann einfach niemand ausschlagen.

„I Love You“ von Amanda Blank ist bei Downtown/Cooperative/Universal erschienen.

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