Neues Album : Eric Clapton: Melodien für den Schaukelstuhl

Zurück zum Blues: Gitarrist Eric Clapton gibt sich auf seinem neuen Album traditionsbewusst. Das klingt gepflegt, gediegen - und sehr langweilig.

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Nicht aufgeben. Eric Clapton bleibt sich treu. Foto: promo
Nicht aufgeben. Eric Clapton bleibt sich treu. Foto: promo

Die Zeiten, in denen man an verrußten Londoner Mauern das Graffiti „Clapton is god“ finden konnte, sind lange vorbei. Das war, als er den Spitznamen Slowhand bekam, als er mit Bands wie den Yardbirds, John Mayall’s Bluesbreakers und Derek And The Dominos die Bluesclubs der britischen Hauptstadt rockte, bei Sessions mit den Beatles und den Rolling Stones deren Stücke veredelte. Damals, als er das wilde und aufreibende Leben eines Outlaws führte, der Frauen liebte, die tabu für ihn waren und der viel zu viel trank.

Heute ist Clapton ein älterer Herr, der mit Drei-Tage-Bart, gepflegten halblangen Haaren und Designerbrille aussieht wie ein Alt-68er-Kunsterzieher. Er kann es sich leisten, sein neues Album einfach nur „Clapton“ zu nennen. Und genauso hört sich auch die Musik an: gepflegt, gediegen – und sehr langweilig. Dabei sollte es erneut eine Rückkehr zu den Wurzeln werden, eine Besinnung auf den Blues, den Eric Clapton populär gemacht hatte.

Dazu holte er sich seinen alten Kumpel J. J. Cale ins Studio, die Ex-Freundin Sheryl Crow, den Trompeter Wynton Marsalis, die New-Orleans-Legende Allen Toussaint und all die Haudegen aus seiner Tourband. Gitarrist Doyle Bramhall durfte sogar mitproduzieren. Ähnlich auserwählt sind die 14 Songperlen, die Clapton interpretiert: Klassiker aus Blues und Jazz, Stücke von Fats Waller und Irving Berlin, dazu einige eigene Songs und eine Handvoll Kompositionen von J. J. Cale.

Alle passen wunderbar zu Claptons Gitarrenspiel, das die Vorlagen zwar wiedererkennbar macht, ihnen aber eine unverkennbare Prägung gib: seine Wechsel zwischen schnellem und langsamem Spiel, sein Vibrato, seine Anschlag- und Zupftechnik – Clapton ist neben Nils Lofgren und Mark Knopfler einer der wenigen Gitarristen, den auch Laien sofort wiedererkennen können.

„Rocking Chair“ heißt das zweite Stück auf der CD, und der Titel dieser Hoagy-Carmichael- Komposition könnte als Motto über allen Aufnahmen stehen: Da treffen sich eine Handvoll alte Freunde in einem Studio und daddeln ganz gemütlich im Schaukelstuhl-Modus ein bisschen herum. Entsprechend sehen auch die Fotos im Beiheft aus: bequem, anheimelnd. Nur dass diese Kumpel früher mal ordentlich einen abgebissen haben, heute müssen sie aufpassen, dass die dritten Zähne nicht verrutschen. Wohlgemerkt: „Clapton“ ist gar keine schlechte Platte. Wäre sie vor 30 Jahren erschienen, hätte sie vielen Jugendlichen eine Menge Krach mit ihren Eltern erspart. Aber dass Clapton immer noch der größte weiße Bluesgitarrist ist und der einzige Musiker, der gleich drei Mal in der Rock and Roll Hall of Fame vertreten ist, merkt man nicht. Dazu gehen Produktion und Musiker zu sehr auf sicheren, ausgetretenen Pfaden.

Wie würde wohl eine Clapton-Platte klingen, die von kompetenten, jungen Bluesern, wie etwa White-Stripes-Chef Jack White produziert wurde? Dreckig, sumpfig, rootsig, Musik, die einen im Nacken packt und durchschüttelt, die mehr ist als ein intellektueller und handwerklich virtuoser Spaß. Der frühe Slowhand Clapton machte Musik, zu der man tanzen wollte. Zum mittleren Eric konnte man immerhin noch wunderbar mit dem Auto durch schöne Landschaften fahren. Bei seiner neuen CD möchte man sofort den Wohnzimmeresstisch mit etwas Politur veredeln. Aber immerhin wurde sie nicht von Phil Collins produziert!

„Clapton“ ist bei Warner erschienen.

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