Neues Album und Konzert : Prinzhorn Dance School: Brüchiges Glück

Analoger geht es nicht: Das britische Duo Prinzhorn Dance School hat sein neues Album "Clay Class" in der Kantine des Berghain vorgestellt.

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Tobin Prinz und Suzi Horn haben ihr Projekt Prinzhorn Dance School nach dem deutschen Kunsthistoriker und Psychiater Hans Prinzhorn benannt, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Bilder geisteskranker Menschen zur "Sammlung Prinzhorn" zusammenstellte und analysierte.
Tobin Prinz und Suzi Horn haben ihr Projekt Prinzhorn Dance School nach dem deutschen Kunsthistoriker und Psychiater Hans...Foto: promo

„Happy in Bits“ – der Titel der neuen Single, auch Eröffnungsstück des neuen Albums, benennt noch einmal das Programm. Prinzhorn Dance School sind zwar beim New Yorker Electrolabel DFA Records untergekommen, doch ihre Bits haben nichts mit Computern zu tun. Der Band aus dem britischen Seebad Brighton geht es um die Suche nach dem kleinen Glück im Bruchstückhaften. Nicht Bits and Bytes, sondern Bits and Pieces.

Analoger als bei Prinzhorn Dance School geht es auch gar nicht. Das Duo Tobin Prinz und Suzi Horn, das sich und ihr Projekt nach dem deutschen Psychiater, Kunsthistoriker - und Sänger - Hans Prinzhorn benannt hat, verlässt sich ausschließlich auf Gitarre, Bass und Gesang, unterstützt von einem Schlagzeuger.

Mit althergebrachten Rocktrio-Arrangements haben Prinzhorn Dance School allerdings auch nichts zu schaffen. Zwar neigt das neue Album „Clay Class“, das die Band beim Konzert in der Berghain-Kantine vorstellt, ein bisschen mehr in Richtung strukturierter Songs als das Debüt „Prinzhorn Dance School“ von 2007.

Aber das minimalistische Konzept ist erhalten geblieben: eine fast nebensächlich eingesetzte E-Gitarre, die lieber einzelne Töne in den Raum stellt, als Akkorde runterzureißen; der Bass, der mit magenkuhlentiefem Rumpeln am ehesten so etwas wie Struktur schafft; das Schlagzeug, das ungern antreibt, sondern dazwischenhämmert und den ohnehin schon spärlichen Fluss der Songs immer wieder unterbricht; der Gesang, der weniger aus Strophe und Refrain besteht, als vielmehr einem Frage-Antwort-Spiel der beiden Protagonisten gleicht.

Und kaum zu glauben, aber live jetzt wieder bewiesen: Stillstehen fällt schwer bei dieser nur dem ersten Eindruck nach verkopft anmutenden Mischung.

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