Neues Album : Who Made Who: Alles stört auf mein Kommando

Discopunk aus Dänemark: Die Band Who Made Who vereint auf ihrem Album „The Plot“ das Coole mit dem Seltsamen.

Christian Schröder
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Sternzeichen Glamour. Tomas Barford, Jeppe Kjellberg und Tomas Hoffding (v. li.) sind Who Made Who.Foto: Gomma

Disco? „Sometimes really fucked up but cool stuff“, sagt Tomas Barford. Disco: eine manchmal recht seltsame, immer aber coole Musik. Who Made Who heißt Barfords Band, sie wurde nach einem AC/DC-Album aus dem Jahr 1986 benannt und versucht beides zu vereinen, das Seltsame und das Coole. Disco und Punk galten lange als Gegensätze, der rebellische Gestus des Punk schien unvereinbar mit der hedonistischen Philosophie von Disco, bei der es vorrangig immer bloß um eines ging: die Leute, nicht die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.

Die Gründerzeiten beider Genres liegen mehr als dreißig Jahre zurück, mittlerweile haben sich Bands wie Hot Chip oder You Say Party! We Say Die! der Hinterlassenschaft bemächtigt. Sie kombinierten den Funktionalismus elektronischer Tanzmusik mit der Kantigkeit des Independent-Rock und waren damit so erfolgreich, dass dafür sogleich ein neues Etikett erfunden wurde: Discopunk, ein Begriff, in dem das Hybridhafte, Zusammengeschraubte bereits mitschwingt. „The Plot“, das gerade erschienene und am Wochenende bei einem Konzert in der Berliner Maria am Ostbahnhof präsentierte zweite Album von Who Made Who, ist ein Discopunk-Meisterwerk.

Die Platte hebt an mit einer instrumentalen Ouvertüre dunkel säuselnder Flöten und Oboen. „No, no, no“, kreischt Sänger Tomas Hoffding zu stoisch pumpenden Bassläufen, dann wechselt seine Stimme in den emotionslosen Kommandomodus, wie ihn die Synthiepopband Frankie Goes To Hollywood in den achtziger Jahren kultivierte, und kommandiert: „Run, run fast in your dreams again.“ Das Stück heißt „TV Friend“, es geht um die Träume, die aufsteigen, wenn man vor dem laufenden Fernseher einschläft. Das Video dazu zeigt die dreiköpfige Band bei einem surrealen Kellerauftritt mit schwarz bemalten Körpern. Eine Minstrel-Show der Youtube-Ära.

Who Made Who stammen aus Dänemark, aber Nationalität spielt in der international eng vernetzten Discopunk-Szene eine untergeordnete Rolle. Ihr Label Gomma Records sitzt in München, die ersten Konzerte gaben sie in London, Glasgow und Paris, und besonders viele Fans haben sie in Australien, wo einige Stücke der neuen Platte abgemischt wurden. „Wir versuchen, unsere Musik gemeinsam mit unserem Publikum zu entwickeln“, erzählt Hoffding. „Oft steht am Anfang eines neuen Songs eher ein Konzept als ein Sound. Wenn wir ihn dann live spielen und die Leute ausflippen, wissen wir, in welche Richtung wir weitermachen müssen.“

Who Made Who haben sich 2003 gegründet, ihre Stücke wirken auch deshalb so waghalsig zusammengeklaubt, weil die drei Protagonisten aus unterschiedlichen musikalischen Zusammenhängen kommen. Bassist Tomas Hoffding hat in Rockbands gespielt, Gitarrist Jeppe Kjellberg studierte Jazz an der Kopenhagener Musikakademie, und Drummer Tomas Barford hatte sich als DJ einen Namen gemacht. „Wir wollten die Energie eines Rock-Act in die Disco bringen“, so beschreibt Barford den Ansatz der Band.

Entsprechend wüst geht es auf „The Plot“ zu. Im Titelstück treffen harte Viervierteltakt-Beats auf aufschäumende Syntheziser-Klangwolken. Bei „This Train“ erheben sich räudige Hardrockgitarren über maschinenhaft ruckelnden Rhythmen. Und der entrückt flüsternde Gesang aus „Ode To Joy“, dem schönsten Lied auf der Platte, erinnert sogar an „A Day In The Life“ von den Beatles. Die zweite, schwächere Hälfte des Albums versandet in sicherlich dancefloortauglichem, musikalisch aber eher uninteressantem House-Gebollere. „Fight for your right to be yourself“, fordert Sänger Hoffding da im Kommandoton. Die Party geht weiter.

„The Plot“ von Who Made Who ist bei Gomma Records erschienen. Tourdaten unter www.whomadewho.dk

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