Norah Jones – "…Featuring" : Die sanfte Herrscherin

Viel mehr Pop-Prominenz zu versammeln als auf Norah Jones neuer Platte ist kaum möglich. Die Mitmusiker kommen aus allen erdenklichen Ecken. Dennoch bietet „...Featuring“ genau das, was man von einer Norah Jones Platte erwartet hat.

Martin Väterlein
Norah Jones.
Norah Jones.Foto: Promo

In ihrem Reich geht die Sonne nicht unter. Es duftet überall gleich gut nach Kaffee und Gebäck. Die Möblierung ist weitestgehend standardisiert und ihre Untertanen sind es auch. Leise tröpfelt unaufgeregte Musik aus den von der Decke hängenden Lautsprechern. Hier ist sie die uneingeschränkte Herrscherin. Norah Jones, die Kaiserin der Coffeeshop-Music.

„...Featuring“ ist keine gewöhnliche Platte. Musiker wie Willie Nelson, Herbie Hancock, Ryan Adams, OutKast, die Foo Fighters oder Belle and Sebastian auf einer Platte zu vereinen, wird nicht vielen gelingen. Norah Jones ist dies nun wie im Vorübergehen geglückt.

Die enorme, genreübergreifende Spannbreite der vertretenen Gäste macht dieses Album zum perfekten Weihnachtsgeschenk. Hip-Hop-Fans kommen hier genauso auf ihre Kosten wie Indiehörer und Oldie- und Jazzliebhaber. Doch Vorsicht! Wer nun erwartet, dass Frau Jones wenigstens bei einigen dieser Kooperationen ihren eigenen Stil dem der Mitstreiter anpasst, irrt. Es ist schon erstaunlich, wie es ihr gelingt ein OutKast-Stück oder die Aufnahmen mit den Foo Fighters so unverkennbar zu eigenen Liedern zu machen. Leider fallen dabei die Eigenarten ihrer Duettpartner zu oft unter den Tisch. Die Chance sich an der einen oder anderen Stelle einmal von einer unbekannten Seite zu zeigen, vergibt sie zu oft. Zwar wechseln die Musikstile, über allem thront aber stets Jones’ sanfte Stimme. Während alle zu ihr kommen, um mit ihr zu musizieren, verlässt sie selbst ihr Reich nicht.

Das wird alle die begeistern, die Musik vor allem dann mögen, wenn sie einen gewissen gehobenen Stil ausstrahlt und vor allem eins nicht tut: Aufmerksamkeit erfordern. Alle anderen sollten sich lieber an Platten von Herbie Hancock, Willie Nelson oder OutKast halten.

Ebenfalls neu auf Vinyl:

Three Mile Pilot haben seit 13 Jahren keine gemeinsame Platte mehr veröffentlicht. Das hatte gute Gründe. Bassist Zach Smith gründete die herausragenden Pinback. Der Rest der Band wurde als The Black Heart Procession bekannt. Keine schlechten Referenzen also und so überrascht es auch wenig, dass „The Inevitable Past Is The Future Forgotten“ eine überdurchschnittliche Indie-Rock-LP geworden ist. Der Sound ist eigenständig und dabei trotzdem eindeutig von Pinbacks stark repetitivem Ansatz geprägt. Wäre der Herbst nicht schon längst da, er könnte jetzt kommen.

Unsere Reihe „Die sinnlosesten Comebacks der Musikgeschichte“ findet in dieser Woche ihre Fortsetzung. Diesmal unter der Beteiligung der Berliner Band Alphaville und ihres Albums „Catching Rays on Giant“.

In den 80er Jahren gehörten sie zum Interessantesten, was Elektropop-Deutschland zu bieten hatte, lieferten mit „Forever Young“, „Jet Set“ und „Sounds like Melody“ veritable Hits ab und konnten überraschenderweise bis in die Gegenwart hinein auch live überzeugen.

Das aber, was Alphaville auf ihrer neuen Platte veröffentlichen, ist meilenweit von Attributen wie „interessant“ oder „überraschend“ entfernt. Ein paar aktuelle Soundspielereien vermengt mit dick aufgetragenem Pop-Pathos und deutscher Melancholie machen noch längst keine Platte aus, die zum Wiederhören einlädt. Und ganz nebenbei: Das Cover geht gar nicht.

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