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Palästina-Tour : Massiv: Böser Mann, ganz brav

Wenn Massiv rappt, geht es um Gewalt. Jetzt tourte der Berliner durchs Westjordanland. Beobachtungen einer merkwürdigen Reise.

Anna Kemper
Massiv
Massiv begegnet der Gewalt im Westjordanland mit nachdenklicher Zurückhaltung. -Foto: Anna Kemper

Ronny Boldt hatte die Einladung längst abgelehnt. Konzerte von Massiv im Westjordanland, organisiert von Palästinensern, das war ihm nicht geheuer. Das könnten irgendwelche Extremisten sein, dachte sich der von Sony engagierte Berater des Rappers. Er stellte sich vor, wie sein Schützling auf der Bühne rappt, während das Publikum israelische Fahnen verbrennt. Kein gutes Bild.

Dann, an einem Morgen Ende April, spuckte sein Faxgerät ein Schreiben der Deutschen Vertretung in Ramallah aus. „Bezüglich des möglichen Auftritts des Hip-Hop-Künstlers Massiv“ teilte die Vertretung mit: „Wir stehen dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber.“ Ronny Boldts „Bedenken bzgl. möglicher politischer Verwicklungen“ seien unnötig: „Es ist kein Fall bekannt, in dem den Künstlern daraus ein Imageschaden entstanden ist.“ Ronny Boldt saß in seinem Büro in Charlottenburg und konnte nicht fassen, dass staatliche Behörden sich zu Massiv bekannten. Oder committen, wie er sagt.

Softdrinks und Tee zum Hip-Hop Beat

Dschenin, fast sieben Monate später. Massiv sitzt auf einer barocken Chaiselongue im Restaurant „Diamond“ und wartet auf seinen Auftritt. Er trägt ein kurzärmliges Shirt, seine Arme sind tätowiert, „Wenn der Mond in mein Ghetto kracht“, steht auf dem rechten Unterarm. Er stellt sich vor: „Wasiem, sehr erfreut“. Wasiem Taha, 26 Jahre alt, nennt sich Massiv. Die Medien nennen ihn „Gewaltrapper“. „Das ist mein Krieg, das wird mein Sieg, pumpe euch mit Blei voll“, rappt er, oder „mit ’nem Bunsenbrenner brenn ich dir die Haut vom Leib“.

Es ist kurz vor fünf Uhr nachmittags, Konzerte gehen im Westjordanland früh los. Auf der Terrasse des Restaurants warten rund 250 Teenager. Sie sitzen auf Plastikstühlen, in den ersten zwei Reihen die Mädchen, fast alle mit Kopftüchern, dahinter die Jungs. Es gibt Softdrinks und Tee aus roten Plastikbechern. Rechts vor der Bühne sitzt der Gouverneur Dschenins, zwischen Sicherheitsleuten mit Kalaschnikow. Willkommen in der palästinensischen Hip-Hop-Welt.

Hip-Hop als globale Sprache

Massiv hat sich draußen ein bisschen umgesehen. Dass ein Konzert mit Waffen bewacht wird, findet er „krass“. So eine raue Atmosphäre, sagt er, kenne er nicht. Massivs Eltern sind Palästinenser, aus einem Flüchtlingslager im Libanon, er wuchs in Pirmasens auf, lebt jetzt in Berlin-Neukölln. Im Westjordanland ist er zum ersten Mal. Dschenin, Nablus, Ramallah, Bethlehem. Vier Tage, vier Konzerte.

Die Reise gehört zu einem Hip-Hop-Projekt, sie wird gefördert von den Kulturinstituten Frankreichs, Dänemarks und Englands sowie vom deutschen Goethe-Institut. Im Sommer gab es in den Städten Workshops, um talentierte Rapper zu finden, die bei den Konzerten mit auftreten. Eine Art Entwicklungshilfe, meint die dänische Mitarbeiterin der palästinensischen NGO „Sabreen“. Sie hat die Tour organisiert, Rap solle den jungen Palästinensern eine Möglichkeit geben, sich auszudrücken. Massiv hat sie über das Internet gefunden. Dass in Deutschland über ihn und seine Texte heftig gestritten wird, weiß sie nicht.

Die "Schlampen und Schwänze" bleiben zu hause

Und so reist Massiv in einem kleinen VW-Bus von Stadt zu Stadt, zusammen mit drei anderen Rappern mit palästinensischen Wurzeln, aus Dänemark und England. Jeden Morgen ist er der Erste im Bus. Pünktlich auf die Minute. Wenn man die Lieder hört, die Massiv an diesem Abend rappt, auf einer Bühne zwischen antik wirkenden Säulen, kommt man nicht darauf, dass er der umstrittenste Rapper Deutschlands ist.

„Das ist der Sound für die Kurden, Araber, die Deutschen, für alle Schwarzafrikaner, das geht raus an die Muslime und Christen, nicht getauften Leute, selbst an die Buddhisten, mir egal, du bist kreidebleich, ich braun, Mensch ist Mensch, Hand in Hand vereint.“ „Wir sind alle gleich“, heißt die Hook, der Refrain. Lines mit Kettensägen und Schrotflinten, mit Schlampen und Schwänzen hat er nicht mit nach Dschenin gebracht. Schließlich ist er jetzt Kulturbotschafter.

Manager Boldt: "Beim Rappen geht es um die härteste Punchline"

Es gibt wohl wenige Orte, an denen Gangsta-Rap unpassender wäre als hier: Die Jungen und Mädchen im Publikum sind in der zweiten Intifada aufgewachsen, Gewalt kennen sie viel zu gut. Sex dagegen so gut wie gar nicht. Dschenin erlebt einen für seine Verhältnisse wilden Abend: Hip-Hop in einer Stadt, die von der Hamas regiert wird, in der es kein Kino gibt, geschweige denn eine Bar. Die Jungs stehen auf den Stühlen, tanzen, werfen die Arme in die Luft. Die Mädchen machen Fotos mit ihren Handys. Tanzen wäre für sie undenkbar. Immerhin durften sie kommen.

An den bösen Massiv erinnert an diesem Abend nur das T-Shirt seines Back-up-Sängers: „Blut gegen Blut“ steht darauf, so hieß Massivs erstes Album. Das T-Shirt, sagt Ronny Boldt, sei taktisch keine kluge Wahl gewesen. Für den Rest der Reise bleibt es im Koffer.

Am nächsten Tag, in Nablus, Mittag essen in einem kleinen Restaurant. Es gibt Schawarma, Hummus, Pitabrot. Ronny Boldt will ein paar Dinge klären: Man solle Massiv nicht auf die Message „Blut gegen Blut“ reduzieren, schließlich rappe er im Song „Palastine“ ja auch „Du musst lernen, deinen Feind zu lieben“. „Das wäre doch mal ein Lösungsansatz“, sagt er. Bei seinem ersten Album, sagt Massiv, habe er „aus dem Keller gerappt“, um Aufmerksamkeit zu kriegen. Jetzt sei das anders, beim letzten Album habe er schon einen Gang runtergeschaltet, „heute und in Zukunft ist jedes Wort von mir zweimal durchdacht“. Er habe eine Entwicklung durchgemacht.

Nachdenklicher Künstler oder doch nur ein Wannabe?

Eine überraschend schnelle Entwicklung: Erst wenig mehr als ein Jahr ist es her, dass Sony seine erste Platte „Blut gegen Blut“ neu rausbrachte. Ein Gangsta-Rapper wollte Massiv sein, härter als Bushido, seine „credibility“, seine Glaubwürdigkeit, war sein Trumpf. Und sein Fluch: Die Öffentlichkeit sieht in ihm den tatöwierten Brutalo. Harte Worte, sagt Ronny Boldt, seien nur eine Facette des Raps. Es gäbe eine Art Wettbewerb zwischen Rappern, „und da geht es eben um die härteste Punchline“.

Doch die härteste Punchline schlug eine Kerbe, die nicht leicht zu glätten ist. Im Februar wurde Massiv angeschossen, die Medien schlossen eine inszenierte Aktion nicht aus, als Werbung für sein Album. Das war keine schöne Zeit, sagt Ronny Boldt. Und dann machte DJ Tomekk, den er auch betreut, im Dschungelcamp den Hitlergruß. Ronny Boldt ist ein netter jungenhafter Typ, er trägt Chucks und hört gerne die Pixies. Man fragt sich, warum er sich das antut. Manchmal, sagt er, frage er sich das auch.

Und vielleicht war auch diese Reise keine so gute Idee. Denn auf der Fahrt durch das Westjordanland, durch Flüchtlingslager, vorbei an der Trennmauer und an Checkpoints, werden die anderen Rapper zunehmend radikaler. Massiv zieht sich von ihnen zurück. Er wolle nicht provozieren, hier nicht, „mir geht es um die Musik, nicht um Politik“.

Kein Respekt für die britische Rapperin Shadia

Shadia, die in London lebt und aus wohlhabendem Elternhaus stammt, steht in Ramallah in einem traditionellen palästinensischen Gewand auf der Bühne. Die Mädchen im Publikum tragen enge Tops und die Stiefel über der Jeans. Shadia sagt in Interviews, Widerstand dürfe so weit gehen wie nötig. Selbstmordattentate seien ein Teil des Krieges, eine Waffe der Unterdrückten.

Am Schluss des Konzerts in Ramallah rappen alle Künstler gemeinsam, Freestyle. Einige haben sich Palästinenser tücher um den Kopf gewickelt, wie radikale Kämpfer, nur die Augen sind noch zu sehen. Zaki, der Däne, der normalerweise vom Frieden rappt, hat sich auf der Tour den Fuß gebrochen, er hält die Krücke an die Hüfte wie ein Maschinengewehr.

Massiv rutscht ganz tief hinter die Sitze des Theaters, sie sollen ihn nicht auf die Bühne holen. Es gebe Textzeilen, sagt er, hinter denen er nicht stehe. Mit Shadia zu rappen, hieße, ihr Respekt zu bekunden.

Es ist, als ob dieses Land ihm gezeigt habe, welche Wucht Worte entwickeln können. Ein Land, in dem die Gewalt, die er in seinen Songs heraufbeschwört, längst Realität ist. Er könne sich nicht vorstellen, hier zu leben, sagt Massiv. In Nablus, in einem Flüchtlingscamp, stand er am Rand des Friedhofs, da lag kaum jemand, der älter war als er. „Ich bin froh, dass ich in Deutschland aufgewachsen bin.“

Und so kommt es, das Massiv im Westjordanland im Vergleich zu den anderen Rappern eine ganz ungewohnte Rolle hat: die des braven Jungen. Aber so leicht lässt es sich nicht abschütteln, das alte Image, schon am nächsten Morgen schlägt es zurück. Massiv sitzt in der Hotellobby am Computer, gerade hat er im Internet einen Artikel gelesen: „Berliner Gewalt-Rapper tourt als Friedensbotschafter“. Bundestagsabgeordnete haben sich beschwert, das Goethe-Institut in München distanziert sich von ihm.

Massiv ohne Risiko

Farid Majari, der Leiter des Goethe-Institut in Ramallah, versucht, die Wogen zu glätten. Natürlich sei Massiv grenzwertig. Aber für die Jugendlichen hier sei es doch allemal besser, über Musik ihre Lebenswirklichkeit wiederzugeben, als zweifelhafte Formen des Widerstands anzunehmen, sagt er. „Und das geht mit Hip- Hop am besten – oder soll ich Annett Lousian einladen, damit sie hier singt: ,Ich will doch nur spielen‘?“ Damit, sagt Farid Majari, erreiche man hier niemanden.

Zum Westjordanland passt der Song von Frau Lousian vielleicht nicht, zu Massiv ganz gut. Nach dem Konzert in Dschenin hatten die Veranstalter mitten in der Nacht den kleinen Vergnügungspark neben dem Restaurant „Diamond“ geöffnet: Ein zwergenhaftes Riesenrad, ein Karussell, eine Schiffsschaukel, eine Handvoll anderer Fahrgeschäfte aus bunt angemaltem Metall. Massiv war Autoscooter gefahren, hatte ab und zu gehupt und gerammt. Im Autoscooter kann man anderen ordentlich in die Karre fahren, nur so zum Spaß, völlig ohne Risiko. Massiv wirkte zufrieden.

Später hatten sich alle noch von einem riesigen Metallungetüm mit zwei Krakenarmen durchschütteln lassen. Das, sagte Massiv, sei ihm zu unheimlich. Allein stand er unten und schaute zu. Man weiß ja nie. Es hätte ja was passieren können.

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