Partytipp : Tresor Light: Voll auf Apfelschorle

Eltern verboten, Stimmung super: Am Samstag ist Party für 12- bis 15-Jährige im Club Tresor. Unsere Reporterin ist 15 und hat bei „Tresor Light“ mitgefeiert, ohne Alkohol und Drogen.

Charlotte Schilling
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Toll. Die Licht- und Nebeleffekte sind genauso cool wie der Industriechic im Club Tresor. Nur das Jungenjagen war für ältere...Foto: David Heerde

Na prima! Nun liegt meine Freundin krank im Bett, und ich soll mich der Herausforderung Party alleine stellen. Also Handtasche und Selbstbewusstsein gepackt, und schon geht es ab in die City. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass der bekannte Club Tresor jemals seine Türen für jüngeres Publikum öffnen würde. Diese berühmt-berüchtigte Techno-Location veranstaltet jetzt einmal im Monat „Tresor Light“ – eine Party zum kontrollierten Einstieg von Jugendlichen ins Nachtleben. Ohne Drogen und Alkohol.

Nach einem S-Bahn-Trip durch halb Berlin landete ich endlich – auf einem Industriegelände, das ein ehemaliges Heizkraftwerk ist. Das wurde erst später klar.

Noch einmal zupfe ich etwas nervös an meinem T-Shirt, dann wartet Herausforderung Nummer zwei auf mich: der Türsteher. Abtastende Blicke, Ausweiskontrolle, all so was gibt es heute Abend nicht. Lässig zeige ich meine, von den Eltern unterschriebene, Einverständniserklärung, und schon stehe ich allein in dem dunklen Eingangsbereich des Clubs. Sofort dröhnt mir laute Musik aus dem Partyraum entgegen, und buntes Licht erhellt den ansonsten komplett dunklen Flur schwach. Von der Musik angespornt steige ich die Treppen zum Discoraum hinauf.

Der Club ist schon um 19 Uhr überfüllt. Überall wimmelt es von partywütigen 12- bis 15-Jährigen, die unbedingt das erste Mal eine Disco betreten wollen. Langsam gehe ich in den eigentlichen Partyraum, der von den drei Räumen dort für „Tresor Light“ ausgewählt wurde. Einen Moment bin ich über die unglaublich gute Atmosphäre verwundert, ich hatte mir nichts unter dem Motto „Light“ vorstellen können, bin dann aber sofort wahnsinnig begeistert. Überall sind tanzende Partyfans. Der bekannte DJ Blake Baxter legt einen Hit nach dem anderen auf, und die Stimmung ist unbeschreiblich gut. In einem Nebenraum werden Getränke angeboten – natürlich alle, dem Motto entsprechend, ohne Alkohol, so wie Apfelschorle. Um dieser Idee treu zu bleiben, stehen überall im Raum verteilt die sogenannten „Angels“, schwarz gekleidete Jugendliche, die dezent auf die Einhaltung der Regeln achten und auch manchmal jemanden ermahnen. Gelegentlich müssen sie auch einige überbesorgte, nervende Eltern aus dem Raum schmeißen, die ihre Sprösslinge nicht für eine Sekunde aus den Augen lassen können. Eltern sind bei der „Tresor Light“-Party nämlich strengstens verboten!

Das Angebot so einer Jugendparty wird ganz offensichtlich gut angenommen, denn der Raum ist überfüllt mit tanzenden, lachenden Menschen, die zum Teil mit ihrer ganzen Schulklasse gekommen sind oder sich zumindest alle zu kennen scheinen. Das hat mich extrem beeindruckt. Nicht nur die Licht- und Nebeltechnik, sondern vor allem auch die Location mit dem besonderen Flair eines ehemaligen Kraftwerkes ist toll. Bereits das Abgeben der Garderobe ist ein Erlebnis: Ehe man seine Jacke endlich loswird, muss man an unzähligen „Zellen“ vorbei, die noch aus Kraftwerkzeiten bestehen. Dann die Backsteintreppe wieder hoch, und man steht in einer ganz anderen Welt.

Während ich noch unsicher die Leute beobachte, kommen zwei 14-jährige nette Mädchen auf mich zu. „Hast du schon einen Jungen gesehen, der älter als zwölf ist?“, erkundigen die beiden sich sofort. Eigentlich wollten sie hier auf „Jungenjagd“ gehen, aber wir drei heben den Altersdurchschnitt mit einigen wenigen anderen stark. Der größte Teil des Publikums ist nicht älter als 12 oder 13 und nutzt diese einmalige Gelegenheit, erstmals Berlins Nachtleben zu erkunden. Auch wir lassen uns die Stimmung nicht vermiesen und feiern und tanzen, dann eben ohne Jungen, zu dritt. Natürlich ist es lustiger, mit mehreren Leuten gemeinsam dort einen Abend zu verbringen, aber wir hatten dennoch unseren Spaß. Außerdem hatte ich, als ich dann gehen musste, das positive Gefühl, dass meine zwei neuen Freundinnen sich prächtig amüsierten. Vielleicht waren ein paar der Jungs dann doch im richtigen Alter.

Alles in allem: tolle Musik, geniale Stimmung, nette Leute und eine „echte Party“ – ganz ohne Alkohol, Drogen und Zigaretten.

Das nächste Mal „Tresor Light“ ist am Sonnabend, 30.5., von 17 bis 22 Uhr, im Tresor, Köpenicker Straße 70, Mitte, der Eintritt kostet 3,50 Euro. Download der Einwilligungserklärung der Eltern unter www.tresorlight.de

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