PAUKEN & Trompeten : Entschleunigt euch!

Jörg Königsdorf zieht es in die Waldeinsamkeit. Dort passt Brahms’ Musik mit ihrer leicht herben Grundtönung wunderbar hinein.

Jörg Königsdorf

Man mag es Markus Groh nicht wirklich übel nehmen, dass er den Begriff Kammermusik manchmal sehr zugunsten seines eigenen Instruments interpretiert. Der Mann ist nun mal Pianist und kennt außerdem eine Menge Pianisten – kein Wunder daher, dass bei seinem Bebersee-Festival der kammermusikalische Ursprungsgedanke hin und wieder etwas in den Hintergrund rückt. Vorzugsweise dann, wenn Jubiläen anstehen: Im Mozartjahr beispielsweise führten Groh und Kollegen in ihrem Konzerthangar auf dem alten Militärflugplatz Groß Dölln sämtliche Klavierkonzerte des Meisters auf, und weil 2008 sozusagen ein Mini-Brahmsjahr ist, feiert Groh den 175. Brahms-Geburtstag mit einer Gesamtaufführung des Klavierwerks an sieben Abenden. Eine gute Idee ist das gleich aus mehreren Gründen.

Erstens, weil im Konzertalltag für solche Gesamtschauen in der Regel kein Platz ist. Zweitens, weil Brahms’ Musik gut in die uckermärkische Waldeinsamkeit mit ihrer leicht herben Grundtönung passt. Und drittens, weil Groh zu diesen den Werken tatsächlich eine enge Beziehung hat: Das erste Klavierkonzert spielt er oft, vor allem in den USA, vom Doppelkonzert für Violine und Cello hat er sogar eine Klavierversion erstellt und erst vor kurzem hat er die späten Klavierstücke auf CD eingespielt. Eine lohnende Landpartie mithin, zumal Groh nicht bloß von Kapazitäten wie dem Franzosen Cedric Tiberghien und Matthias Kirschnereit unterstützt wird, sondern seinen Brahms-Zyklus in ein gescheites Kontrastprogramm eingebunden hat. An fünf der sechs noch ausstehenden Abende wird Kammermusik eines Brahms-Zeitgenossen vorgestellt, auf der Liste stehen Dvorak (22.7.), Joseph Joachim (24.7.) und Schumann (25.7.), aber auch unbekanntere Romantiker wie Theodor Kirchner (heute) und Heinrich von Hertzogenberg (26.7.).

Nur das Finale am kommenden Sonntag ist exklusiv Brahms’ Spätwerk gewidmet. Dazu hält der Wissenschaftler Manfred Osten einen Vortrag über „Brahms und die Aktualität der Entschleunigung“. Aber das nehmen die Pianisten hoffentlich nicht allzu wörtlich.

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