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Paul Kalkbrenner im Interview : "Ich bin ein bisschen wie Ramses"

30.11.2012 15:15 Uhrvon und
Auf Erfolgskurs. Techno-Star Paul Kalkbrenner spielt mittlerweile vor Zehntausenden. Auch privat läuft's rund - im August hat er geheiratet. Foto: Mike WolffBild vergrößern
Auf Erfolgskurs. Techno-Star Paul Kalkbrenner spielt mittlerweile vor Zehntausenden. Auch privat läuft's rund - im August hat er geheiratet. - Foto: Mike Wolff

Wenn Paul Kalkbrenner in den Spiegel schaut, packt ihn der Größenwahn. Ein Gespräch über Rias 2, Begrüßungsgeld und seine Hochzeit auf Schloss Herzfelde.

Herr Kalkbrenner, Sie sind gerade von einer Nordamerika-Tour zurück. Spüren Sie noch den Jetlag?

Eastbound ist es am schlimmsten, also wenn man Richtung Osten reist. Ich bin heute schon seit Mitternacht wach ...

Jetzt ist es elf Uhr morgens. Und nächste Woche müssen Sie weiter nach Tokio und Singapur.

Mit den Jahren ist das Reisen stressfreier geworden. Ich muss meine Technik nicht mehr selbst mitnehmen, das macht jetzt mein 20-köpfiges Team, das ist immer schon anderthalb Tage vorher da. Ich hab nur mein Handgepäck im Rimowa-Koffer.

Sie spielen vor Zehntausenden.


Ich mache halt Stadion-Techno. Und kann mir Dinger leisten, die früher nicht drin waren. Zum Beispiel: zwischendurch aufs Klo gehen. Wenn du das im kleinen Club wagst, leert sich sofort die Tanzfläche. Bei meinen Konzerten ist das kein Problem. Wenn ich drei Stunden spiele, geh ich zwischendurch zwei Mal hinter die Bühne, pinkle, wechsle das durchgeschwitzte T-Shirt, und wenn ich zurück komme, sind alle noch da.

Arte feiert Sie als „Elektrohelden der Nation“, das Technofachblatt Debug unterstellt Ihnen eine ordentliche „Portion Größenwahn“. Wer hat recht?

Das ist kein Widerspruch, im Gegenteil. Ich will mich unter Druck setzen. Zu Hause vor dem Spiegel herrscht privater Größenwahn, immer.

Erklären Sie uns das bitte.

Nehmen wir Zlatan Ibrahimovic ...

... den schwedischen Fußballer, der neulich gegen England 4:2 alle vier Tore schoss ...

... der behauptet doch täglich, dass er der Größte sei. Damit setzt er sich unter Druck. Und ich glaube ganz fest, dass dieser Druck dann auch motiviert und Leistungen erst möglich macht.

Schwer beschäftigt. Bei seinen Auftritten konzentriert sich Paul Kalkbrenner voll auf sein Mischpult. Foto: dpaBild vergrößern
Schwer beschäftigt. Bei seinen Auftritten konzentriert sich Paul Kalkbrenner voll auf sein Mischpult. - Foto: dpa

Es heißt, Ihr bekanntester Hit „Sky & Sand“ werde von Techno-DJs nicht gerne aufgelegt.

Höchstens noch in Dorf-Diskos. Die großen Techno-Läden spielen generell nichts von Paul Kalkbrenner. Das ist der Lauf der Dinge. Da muss jeder durch, der klein anfängt und groß wird.

Woher kommt die Ablehnung?

Wenn jemand Underground ist, also nur einer begrenzten Gruppe bekannt oder sogar irgendwie avantgardistisch, und dann plötzlich mehr Menschen interessiert, auch außerhalb seiner Subkultur, dann gilt derjenige automatisch als blöd.

Kränkt Sie das?

Nein, weil ich weiß, dass es gar nicht anders sein kann. Das ist ein bisschen wie bei den Typen in den Business-Loungen. Die essen keine Hummerschwänze mehr, sobald es der Normalo kann.

Welche Vorteile hat der Erfolg noch?

Ich muss nichts mehr selbst aufbauen. Selbst den Soundcheck übernehmen andere.

Sie müssen sich gar nicht vorbereiten?

Doch, ich ziehe meine Schnürsenkel fest, damit die Turnschuhe richtig sitzen. Das gibt mir eine gute Körperspannung. Dann noch einen Energydrink, und los geht’s.

Uns ist aufgefallen, dass Sie beim Spielen ein bisschen leidend aussehen. Sie gucken auch die ganze Zeit nur auf Ihre Regler.


Hab’ ja auch zu tun. Ich fühle mich wie unter einer Käseglocke, schon nach wenigen Minuten. Ich bin auch ganz froh, dass die ersten Fans in acht Metern Entfernung und zwei Meter tiefer hinter der Absperrung stehen.

Herr Kalkbrenner, mögen Sie keine Menschen?

Doch, aber jetzt kann keiner mehr kommen und mir sein Bier auf mein Mischpult kippen. Ich hatte da früher so einige negative Erfahrungen. In der Maria, einem Club hier in Berlin, kam mal ein Fremder an und hat mir drei Winterjacken übers Pult gereicht – der dachte, ich sei die Garderobe.

Sie sprechen auf der Bühne nicht zu Ihren Fans.

Richtig, bei mir gibt es auch keine Zwischenansagen. So ein „Ey Berlin, seid ihr gut drauf, yo?“, das will ich nicht.

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