Plattenkritik : Der Herbst der alten Männer

Martin Väterlein rezensiert Alben, die auf Vinyl erscheinen. Sting und Phil Collins haben schon, Neil Young, Joe Cocker, Bryan Ferry und Bruce Springsteen folgen noch. In dieser Woche sind die Neuveröffentlichungen von Eric Clapton und Robert Plant an der Reihe.

Martin Väterlein
Auf Folk-Pfaden: Robert Plant
Auf Folk-Pfaden: Robert PlantFoto: Gregsg Delman Auf Folk-Pfaden: Robert Plant

Erinnert sich heute noch jemand an Albumtitel wie „Behind the sun“ oder „August“? Nein? Kein Wunder. Denn mit diesen Machwerken versuchte das einstige Zauberhändchen des Bluesrock Eric Clapton mit dem Sound der Achtziger Schritt zu halten und scheiterte wie andere Kollegen im selben Alter fürchterlich.

Noch schlimmer war das, was ein anderer Superstar der Siebziger, der Led Zeppelin Sänger Robert Plant mit seiner zweiten Solo-LP Principle of Moments ablieferte. Vollkommen orientierungslos wurde unter seinem Namen eine der wohl übelsten Platten überhaupt veröffentlicht.  Für beide war ein Tiefpunkt erreicht und kaum einer wettete in Zeiten von New Wave und Postpunk noch auf eine Wiederauferstehung der einstigen Superstars.

Und doch kamen die beiden allmählich zurück an die Oberfläche. Heute nehmen sie den Platz ein, der in Würde gealterten Rockheroen zusteht. Man zollt ihnen wieder Respekt. Zurecht wie ihre Alben des Jahres 2010 beweisen.

Besonders Eric Clapton versteht es, mit einer wohltuend entspannten Platte zu überzeugen. Wie schon in den Jahren zuvor ist J.J. Cale (Cocain, After Midnight) mit von der Partie. Neben dessen beiden Gastauftritten finden sich auch die Namen von Sheryl Crow, Allen Toussaint und Wynton Masalis in den Liner Notes.

Sowohl der Sound als auch die Liedauswahl dieser bunten Truppe sind perfekt auf einen im besten Sinn gereiften Clapton zugeschnitten. Und so gelingt dem Meister neben einigen schönen Stücken, die zwischen Blues, Folk und angejazztem Kuschelrock pendeln, am Ende des Albums sogar eine ordentliche Version des Klassikers „Autumn Leaves“.

Robert Plant setzt auf Band of Joy ebenfalls auf  Coverversionen. Neben einigen eigenen Songs stehen Lieder von Größen wie Richard Thompson, Barbara Lynn und Townes Van Zandt.  Plant interpretiert den Folk und R’n’B der sechziger und siebziger Jahre. Das Ergebnis ist ein Album, das an die folkigen Momente auf Led Zeppelins dritter LP denken lässt. Das steht Plant natürlich sehr gut zu Gesicht, auch wenn man gerade in dieser musikalischen Umgebung ein oder zwei Geniestreiche seines alten Bandkollegen Jimmy Page herbeiwünscht.

Clapton und Plant werden sicher keine neuen Türen mehr aufstoßen. In der Form dieses Jahres aber dürfen sie uns auch in Zukunft gern noch häufiger an die Musik erinnern, die sie einst groß machte.


Ebenfalls neu auf Vinyl:

Auch schon 30 Bandjahre haben Bad Religion auf dem Buckel und feiern mit ihrem 15. Album namens „The dissent of man“ das Jubiläum. Sie machen da weiter, wo sie vor drei Jahrzehnten angefangen haben. Man kennt sich. Das ist wenig aufregend, aber irgendwie auch tröstlich.

Mit einem Triple-Album kündigen Soundgarden ihre Rückkehr an. Auf den drei LPs sind unter dem Titel Telephantasm einige neue Stücke aber vor allem eine Best-of Sammlung und einige Raritäten zu finden. Eine Platte mit neuem Material soll folgen.

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