Plattenkritik : Doing The Dark Side of the Moon

Die für ihre originellen Spinnereien bekannte Band The Flaming Lips hat sich zusammen mit Stardeath and White Dwarfs, Henry Rollins und Peaches an eine Neuauflage der zweiterfolgreichsten Platte der Musikgeschichte gemacht: Pink Floyds Dark Side of the Moon. Ein gewagtes Projekt.

Martin Väterlein
Erinnert nur entfernt an das Pink Floyd Cover.
Erinnert nur entfernt an das Pink Floyd Cover.Foto: promo

Eigentlich ist beim Vergleich der Cover schon alles klar. Hier klare Linien, eine einfache, auf den Punkt gebrachte Designidee. Dort ein beliebiges Familienfoto, das mit verwursteltem Schriftzug und Regenbodenstrahlen aus Babys Augen daherkommt. So wie sich die Verpackung dieser albumgewordenen Reminiszenz zum Original verhält, so unterscheiden sich beide Platten auch beim Sound.

Pink Floyd setzten sich mit dieser LP unter dem Einsatz moderner Aufnahmetechniken vom schwubbeligen Klang der frühen Meisterwerke ab. Das ermöglichte dank glasklarer Abmischung und kürzeren Songstrukturen breiten Schichten ihre zukünftigen Veröffentlichungen als Popmusik wahrzunehmen. Aus einer Avantgarde-Band wurde ein Mainstream-Produkt. Musikkritiker verurteilten diesen Wandel damals vielstimmig und rückblickend betrachtet zu Recht.

Die Flaming Lips nun schaffen es The Dark Side of the Moon sowohl in die Zeit vor 1973 als auch in die Gegenwart zu transportieren. Und siehe da, der undefinierbare Sound und der Einsatz einiger moderner Klangelemente tun dem alten Meisterwerk erstaunlich gut. Zumindest mag man nicht sofort die Nadel vom Vinyl nehmen und „Tausend Mal gehört“ stöhnen. Sicher, einige Momente (Money) sind etwas zu verschlurft geraten, an anderer Stelle wünschte man sich noch mehr Mut zum Experiment. In der Summe aber wird das Experiment zu einem künstlerischen Erfolg.

Das, was vielen Coverversionen oft versagt bleibt, dem Original nämlich etwas Originelles hinzuzufügen, gelingt hier auf ausgezeichnete Art und Weise. Die stille Depression und aufflackernde Wut der Stücke federn die Mitwirkenden nicht durch eine durchgestylte Produktion a la Alan Parsons ab, sondern lassen den Emotionen weitgehend freien Lauf. Das ermöglicht uns Hörern die interessante Spekulation darüber, was wohl aus Pink Floyd geworden wäre, hätten sie nicht den vorher eingeschlagenen Pfad in Richtung Erfolg verlassen. Der Wahnsinn hätte weiter das Szepter geschwungen und psychedelische Großtaten wären wohl länger möglich gewesen als nur eine kurze Episode der Popgeschichte lang.

Die LP-Ausgabe kommt zusammen mit Klappcover, Fotobeilage und CD auf den Markt.

Weitere Empfehlungen auf Vinyl:

1000 Robota aus Hamburg veröffentlichten am 03.September mit UFO ihr zweites Album. Die drei Jungs aus der Hansestadt bleiben der Energie ihres großartigen Debüts treu, auch wenn sich immer mehr Krautelemente und Postpunk in ihren kraftvollen und schnörkellosen Sound mischen.

Schon zwei Wochen steht Dylan LeBlancs Paupers Fields in den Plattenläden und wartet dort auf Hörer, die gepflegtes amerikanisches Songwriting zu schätzen wissen. Das Wunderkind überrascht mit zarten, sehnsüchtigen Melodien im traditionellen Gewand, die er begleitet von exzellenten Musikern vorträgt.

 

 

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