Plattenkritik : Plastik-Party: Das neue Album der Black Eyed Peas

Die Black Eyed Peas zielen mit ihrem neuen Album "The Beginning" auf feiersüchtige Clubgänger und führen ihren schamlosen Hitwillen vor.

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Die Black Eyed Peas bei den Music Awards im November 2010.
Die Black Eyed Peas bei den Music Awards im November 2010.Foto: AFP

In Ibiza haben die Black Eyed Peas ihre neue Single aufgenommen. Das passt, denn „The Time (Dirty Bit)“ zielt ganz offensichtlich auf das Discopublikum der Partyinsel – stellvertretend für alle anderen feiersüchtigen Clubgänger. Sie werden diesen Track lieben. Vielleicht nicht ganz so sehr wie die Hits „I Gotta Feeling“ und „Boom Boom Pow“ aus dem letzten Jahr. Doch solide Tanzreflexe löst auch das Eröffnungsstück des sechsten Black-Eyed-Peas-Album mit dem Titel „The Beginning“ wieder aus.

Geradezu exemplarisch führt das Quartett aus Los Angeles mit „The Time (Dirty Bit)“ seinen seinen fast schon schamlosen Hitwillen vor: Der Song beginnt mit lang stehenden Synthesizerakkorden, über die der verfremdet nachgesungene Refrain der Schnulze „(I’ve had the) Time of My Life“ aus dem Achtziger-Jahre-Blockbuster „Dirty Dancing“ ertönt. Nach einer Minute startet ein federnder, mittelschneller Beat. Darüber quäkt in Wiederholungsschleife ein simples Keyboardmotiv, das sich umgehend im Kopf festbohrt. Derweil wechseln sich will.i.am und Fergie mit dem Gesang ab. Der wird massiv mit dem Autotune-Effekt verzerrt. Ab Minute zwei dürfen dann auch die beiden anderen Sänger Taboo und apl.de.ap mitmischen. Gegen Ende hüpft noch eine stark an Kylie Minogues „Can’t Get You Out Of My Head“ erinnernde Rhythmusspur dazu.

Es passiert nicht allzu viel gleichzeitig in einem Black-Eyed-Peas-Song, dafür aber nie lange dasselbe. Als sei die Musik für Teenager mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom gedacht, ploppen ständig neue Reize auf. Und natürlich benutzt Peas-Mastermind und Hauptproduzent will.i.am jeden bekannten Trick, um Spannung zu erzeugen: Tempo raus, BassDrum raus, kurz Luft holen, Tempo wieder rauf, Bass-Drum rein – gern im jeden Viertel-Schlag betonenden Four-to-the- Floor-Modus.

Die Black Eyed Peas folgen auf „The Beginning“ weiter dem aktuellen Eurodance-Trend, für den sie durch ihr letztes Album „The E.N.D.“ maßgeblich mitverantwortlich sind. Dieser Sound bezieht sich auf eine extrem plastikhafte Spielart der Achtziger-Clubmusik, deren bekannteste Vertreter Snap, Dr. Alban, Haddaway und Ace Of Base waren. Die modernisierte Form dieses Dancepops brachte den Black Eyed Peas 2009 drei Grammys ein und katapultierte sie weltweit an die Hitparadenspitze. In den USA führten zwei ihrer Singles sogar 26 Wochen ununterbrochen die Charts an – ein neuer Rekord. Insgesamt hat die Multikultitruppe rund 27 Millionen Alben verkauft. Indem sie weiter auf die neue Erfolgsformel setzen, entfernen sich die vier immer weiter von ihren Hip-Hop-Wurzeln. Auch an die Zeiten, in denen sie als Nachfolger der Fugees galten, erinnert nichts mehr.

Auf Gastauftritte bekannter Kollegen verzichten die Peas völlig. Ebenfalls recht unspektakulär ist die Wahl von DJ Ammo als Produzent von vier Songs. Einzige Promiausnahme: David Guetta – eine Eurodance-Größe und Macher ihres Hits „I Gotta Feeling“ – war ihnen bei „The Best One Yet (The Boy)“ behilflich. Es ist einer der überzeugendsten Songs auf dem Album, und er hat in der Mitte einen kurzen Daft-Punk-Moment. Überhaupt grüßen die Black Eyed Peas munter in die Popgeschichte: Von Fatboy Slim über Styx, die Stones und Alphaville reichen die direkten oder indirekten Zitate. Zum Abschluss besingt will.i.am John Lennon und Bob Marley, während im Hintergrund eine an The Edge erinnerte Gitarre dengelt. Die hat offensichtlich auch das „Uhuhu“ im Refrain inspiriert. Und so steht plötzlich Bono mitten auf der Tanzfläche. Was eben alles so passieren kann in einer langen, verrückten Partynacht. Nadine Lange

The Black Eyed Peas: „The Beginning“ ist bei Universal erschienen.

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