Plattenkritik : Underworld – Bark

Nach 22 Jahren auf dem Markt haben Underworld etliche Metamorphosen und Hits hinter sich gebracht und sind heute zu so etwas wie den Rolling Stones der modernen Tanzmusik geworden. Nach Jahren der Stille veröffentlichen sie mit Bark ein ambivalentes Album.

Martin Väterlein
Bunt und etwas unrund. Die neue Underworld
Bunt und etwas unrund. Die neue UnderworldFoto: Mein Plattenladen/Universal

Die beiden Herren in den besten Jahren haben sich für Bark erstaunlich viel prominente Unterstützung mit an Bord geholt. Die populärsten Namen: Paul van Dyk, High Contrast und Dubfire. Bei diesem Aufgebot darf man einen neuen, frischen Underworldsound erwarten. Man wird nicht enttäuscht. Genauso bunt gemischt wie das versammelte Musikerkollektiv sind die Eindrücke, die Bark hinterlässt.

Auf dieser Scheibe klingt vieles luftig, weniger für einen Club, mehr für eine Openair-Party produziert. Das geht teilweise so weit, dass echte Mitsing-Refrains angeboten werden, Melodien, die sofort ins Ohr drängen und ein wenig an die McFit-Parade der letzten Jahre erinnern. Auch eine Ballade findet sich im Programm.
Glücklicherweise finden sich die typischen, hypnotischen Underworld-Momente auch auf der Platte wieder. Anders als bei Alben wie A hundred days off oder der hervorragenden Live-LP Everything, everything muss man diese auf Bark leider suchen. Man wird davon nicht wie gewohnt überspült.

Der Schlüssel des langanhaltenden Erfolgs von Underworld lag darin, dass sie es bisher schafften, lupenreine elektronische Tanzmusik wie herkömmlichen Pop klingen zu lassen. Und das ohne Abstriche an die Länge oder den Aufbau des jeweiligen Stücks zu machen. Der Grundton ihrer Stücke war bei aller Euphorie, die sie zu verbreiten vermochten, meist eher molllastig, fügte sich also prima in die aus den 80ern stammende Tradition elektronischer Musik ein.

Vor allem die letzten Veröffentlichungen machten die Türe für Experimente etwas weiter auf. Davon ist auf Bark leider nicht mehr viel geblieben. Was aber geblieben ist, ist ein Sound, der auf unverwechselbare Art und Weise erkennbar bleibt. Und das ist bei den Rolling Stones schließlich auch so. 

Weitere Neuerscheinungen:
Auch schon länger gemeinsam unterwegs sind Blonde Redhead aus New York. Auf Penny Sparkle setzen die einstigen NoWaver aus dem Sonic Youth Umfeld ihre Reise fort und bezaubern mit feinen Melodien und elektronischer Raffinesse.

Phil Collins überrascht mit einer Sammlung von Soul Klassikern zumindest nicht negativ. Dass auf Going Back fast alles so wie Phils 80er Hit "You can't hurry love" klingt, liegt dabei in der Natur der Sache.

Eine wirkliche Empfehlung ist die jetzt erst auf LP erschienene Gorillaz-Platte Plastic Beach. Auf diesem Album beeindrucken die Gorillaz mit einem durch und durch überzeugenden Mix aus HipHop, NewWave, Pop und arabischen Klängen. Mit am Strand liegen Bobby Womack, Lou Reed, Snoop Dog und De La Soul.
 

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