Pop-Buch : Thomas Hermanns in der Disco

Der Komiker Thomas Hermanns hat ein Buch über seine größte Leidenschaft geschrieben: Disco.

Sebastian Leber
Thomas Hermanns: Finanzkrise ein Thema für Comedy
Discopapst. Thomas Hermanns. -Foto: dpa

Er ist Chef des Quatsch-Comedy-Clubs, Musicalregisseur und Moderator diverser Aids-Galas. Doch Thomas Hermanns, 46, hat noch eine andere Seite. Eine, die manchen wohl erschaudern lassen wird: Hermanns liebt die Discomusik der Siebziger. Gloria Gaynor, Boney M., Donna Summer. Das ganze Programm.

Und er hofft, dass andere genauso fühlen. Deshalb hat er jetzt ein Buch geschrieben: „Für immer Disco“ heißt es, auf fast 300 Seiten hat er darin alles niedergeschrieben, was man seiner Meinung nach über die Künstler und Lieder der damaligen Zeit wissen sollte. „Es gibt ja Menschen, die glauben wirklich, dass dies schlechte Musik sei“, sagt er. „Ein fataler Irrtum ist das.“ In seiner Jugend war Disco Thomas Hermanns wesentlicher Lebensinhalt. Weil es sonst nicht viel zu tun gab im eher trostlosen Nürnberger Stadtteil Langwasser, saß er zu Hause, hörte sich Schallplatten an und stellte sich vor, wie wild es jetzt wohl gerade im New Yorker Studio 54 zuging.

Jedes Detail zählt - auch die Tanzschuhe von John Travolta

Sein Buch hat er nicht in Berlin geschrieben, sondern auf Ibiza, draußen auf der sonnigen Terrasse, mit Laptop auf dem Schoß. „Ich wollte alles nachrecherchieren, was ich schon immer wissen wollte.“ Etwa, aus welchem Jahr das erste Foto einer Diskokugel stammt (1912). Wie damals noch gleich der zweite Sänger von Santa Esmeralda hieß (Jimmy Goings). Und ob John Travolta eigentlich seine Tanzschuhe aus dem Film „Saturday Night Fever“ aufbewahrt hat (klar, hat er).

Überhaupt Travolta: In den war Thomas Hermanns als Jugendlicher arg verliebt, deshalb hat er ihm nun ein eigenes Kapitel gewidmet. „Der Mann hatte viele Feinde, in Deutschland gab es die Kampagne ,Folter für Travolta‘. Aber ich wollte ihn heiraten.“ Hermanns hätte für sein Buch gerne ein Interview mit dem Hollywoodstar geführt, vom Management kam eine „freundliche, aber bestimmte Absage“. Dafür durfte er mit Marianne Rosenberg sprechen, die beiden trafen sich im Schwarzen Café in der Charlottenburger Kantstraße.

"Einmal Uriah Heep aufgelegt, und der ganze Abend ist gelaufen."

Der Moderator hat so gründlich geforscht, wie andere es für eine Doktorarbeit tun würden. Weil ihm Musik sehr ernst ist. Das geht so weit, dass er seinen Angestellten im Quatsch-Comedy-Club vorschreibt, welche Musik vor Beginn jeder Show gespielt wird, bis das Publikum Platz genommen hat. „Einlassmusik ist eine heikle Sache“, weiß Hermanns. „Einmal Uriah Heep aufgelegt, und der ganze Abend ist gelaufen.“ Das sollte ihm am gestrigen Montag nicht passieren: Um das Erscheinen seines Buches zu feiern, hatte Hermanns zu einer Party in den Comedy-Club geladen, Klaus Wowereit, Sandra Maischberger und Bastian Pastewka hatten zugesagt. Schon eine Woche vorher fing Hermanns an, über die richtige Musikauswahl zu grübeln. Wer nicht eingeladen war: Für April plant Hermanns drei Lesungen in seinem Theater. Außerdem hat er die Internetseite www.fuerimmerdisco.de freigeschaltet, die richtet sich an „alle Bekloppten, die sich mit mir über Musik austauschen wollen“.

Man kann ihn auch beim Tanzen treffen. Einmal im Monat geht er aus, und zwar dorthin, wo man ein „bisschen Discogefühl“ vorfindet. Auch wenn die Läden heute alle Club, nicht mehr Diskothek heißen. Ganz toll: das Nbi in der Kulturbrauerei. Oder der Ackerkeller in der Bergstraße. Aber bitte vorher ins Programmheft schauen: Manchmal ist dort Schlager-Nacktparty, die kann Hermanns nicht empfehlen.

Das Buch „Für immer Disco“ ist erschienen im Scherz-Verlag und kostet 19 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar