Pop-Tipp : Mokke, Marsheaux, Delsin

Der Sound, ohne den der DJ und Musikjournalist Martin Böttcher nicht sein möchte.

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Martin Böttcher.Foto: promo

Mokke: Happy Chameleon



Techno ist für Berlin das, was der Reggae für Kingston, Jamaica, bedeutet, hat mal ein kluger Kopf bemerkt. Tomoki Ikeda alias Mokke, ein japanischer Produzent, der seit Jahren in Berlin-Kreuzberg wohnt, sieht das anders. Seine elektronische Musik hat mit Techno nur am Rande zu tun. Aus zuvor nicht gehörten Sounds, vertrackten Rhythmen, abgefahrenen Effekten und schönen Melodien braut er ein digitales Süppchen, das besonders uns Anhängern der elektronischen Vielfalt schmeckt. Für Freunde des Namedroppings: Mokke kennt seine Bezugspunkte, er tanzt zwischen Produzenten wie Burial, Aphex Twin, Sun Ra und Ryuichi Sakamoto hin und her und entwickelt dabei einen Funk, der sich zwar nicht sofort, aber dann dafür umso heftiger erschließt.

Marsheaux: Lumineux Noir

Sehr viel einfachere und sehr viel süßere Kost dagegen von Marsheaux, einem rein weiblichen Disco-Elektro-Pop-Duo aus Griechenland. Wenn Mokke ein Mehrkornbrötchen mit Frischkäse und Marmelade ist, dann sind Marsheaux zwei Buttercremetortenstücke mit Baiserhaube. Ihre Synthie-Popsongs schauen natürlich auch ein wenig in die Vergangenheit (und zwar so etwa 25 Jahre), vor allem aber haben sie eine melancholische Note, die nur die elektronische Musik hinbekommt  - es ist der unüberwindliche Gegensatz zwischen Mensch und Maschine, der auf Lumineux Nori so herbstgerecht aufgearbeitet wird.

Various Artists: Delsin II

Berlins Technogemeinde war immer stolz auf die Achse Berlin-Detroit: In der "Motor City" wurde schließlich die Musik erfunden, die die Boxen der meisten Berliner Clubs zum Beben bringt. Und die Detroiter DJs fanden hier ein begeistertes Publikum, das genau schaute, was die Techno-Altmeister so machten. Doch Berlin ist nicht die einzige Stadt, die sich vom Detroiter Sound verzaubern ließ: In Amsterdam gibt es das Plattenlabel Delsin, das gerade seine zweite Compilation herausgebracht hat. Darauf zu finden: Etliche Techno-Tracks, die originaler als das Original scheinen. Die Musik von kalter Schönheit (ich muss mich entschuldigen für so viel Pathos, aber es stimmt nun mal!), die Musiker, wie etwa der legendäre Redshape, der nur mit Maske live auftritt, auf ihre Anonymität bedacht wie zu besten Undergroundzeiten. Großartig!

Martin Böttcher ist Musikjournalist „für alles“ und DJ mit Hang zum  TechnoElectroHouse. Er arbeitet für Deutschlandradio Kultur, verschiedene RBB-Wellen und das Internetradio „byte.fm“. Martin Böttcher hatte seine DJ-Premiere im Keller des alten Berliner „Tresor“ und hat danach in Clubs wie dem „Cookies“, dem „GMF“ und dem „Crackers“ gespielt.  Derzeit ist er fast jede Woche in Tim Raues „Ma Bar“ zu erleben.

Und hier gibt es mehr (Playlisten zum Beispiel):

www.myspace.com/ostwestberlin
www.myspace.com/zeittunnel
www.byte.fm/index.php?cont=moderatoren_detail&moderator=41

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